Metzger und die CDU : Die Moderaten kommen

Der Eintritt von Oswald Metzger in die CDU in Biberach ist nicht unbedingt weltbewegend - Er verdeutlicht aber den Weg einer "neuen" CDU. Angela Merkel will der Partei den Weg zur Mitte ebnen und das neue ehmals grüne Mitglied dient ihr als Beweis: Metzger wird zum Synonym einer wertorientierten Ökologiebewegung.

Stephan-Andreas Casdorff

Nur für sich genommen ist der Eintritt von Oswald Metzger bei der CDU in Biberach jetzt nicht unbedingt weltbewegend. Gott, halt ein Ex-Grüner, der sich seinen Platz bei den Christdemokraten sucht. Oder sich einen im Parlament sichern will. Aber das wäre denn doch zu kurz gedacht. Denn Metzger, einstmals das finanzpolitische Gewissen der Grünen, steht bei aller Eigenwilligkeit schon auch für einen Teil der früheren Sammlungsbewegung, interessanterweise für einen, der sich besonders im wertorientierten Baden-Württemberg findet. Von dort stammt auch der Begriff des „Wertkonservativen“. Wenngleich von Erhard Eppler, dem Sozialdemokraten, geprägt, so lässt er sich sehr gut auf alle die anwenden, die sich jetzt der neuen CDU zuwenden.

Neue CDU deshalb, weil deren Vorsitzende, Angela Merkel, eine Wende vollzogen hat – sowohl persönlich als auch politisch insgesamt –, die dramatisch zu nennen noch untertrieben ist. Was da jetzt an sozialer und liberaler Grundhaltung deutlich wird, nur noch flankiert wird von zutiefst marktwirtschaftlichen Gläubigen, öffnet die Partei weit hinein in das, was immer Mehrheiten verspricht: in die Mitte. Darum auch lautet der Slogan jetzt ja permanent „Die Mitte“, die wiederum mit einem Punkt versehen ist. „Die Mitte.“ – mittiger geht’s nicht, soll das sagen.

Wer das behauptet, muss den Nachweis antreten. Oder, um mit Odo Marquard zu sprechen, einem Philosophen, der zu Merkels neuer Mitte passt: Wer verändern will, trägt die Beweislast. Metzger als Synonym taugt zu einem solchen Beweis. Für die SPD hat einmal Egon Bahr geläuterte SEDler zurückholen wollen mit dem Satz: Wir wollen unser Blut zurück. Bei der CDU ist, auch wenn der Vergleich jetzt ein wenig schief daherkommt, der Satz richtig, dass sie die Grünen als Fleisch von ihrem Fleische zurückhaben wollen. Denn die Grünen sind beileibe nicht alle links, sondern eben auch solche wie zum Beispiel die Vespers: Vater Vesper CDU, Sohn Stefan beim Zentralkomitee der Katholiken, Sohn Michael lange Grünenpolitiker und Vizeministerpräsident in Nordrhein- Westfalen, heute beim DOSB. Also nicht nur Ökosozialisten und Ex-KBWler, sondern auch einfach sehr Friedens- und Ökologiebewegte, noch dazu aus der christlichen Ecke. Was ist auch konservativer als die Erhaltung der Umwelt, wenn man das Wort richtig versteht? Überhaupt war der Ursprung der Grünen genau das, die wertorientierte Ökologiebewegung um Herbert Gruhl in den endsiebziger Jahren. Dass die CDU ihn nicht halten konnte, ihn und seinesgleichen, treibt einen wie Heiner Geißler, damals Generalsekretär, heute noch um. Deshalb treibt er sich auch bei Attac herum: Weil dort das Potenzial einer CDU zu finden ist, die nicht dem Slogan Freiheit statt Sozialismus, sondern „Solidarität statt Kapitalismus“ folgen würde. Das sind nicht wenige, wie die jüngsten Wahlen gezeigt haben, und es sind vor allem viele Junge.

Man glaubt der CDU das moderate, nicht muffige noch nicht so ganz

Nun darf sich die CDU die Sache andererseits aber auch nicht schönreden. Denn zwei Gefahren gibt es schon. Einmal die, dass die CDU die Grünen im Wettbewerb um die gleiche Klientel erst richtig groß macht. In den Großstädten glaubt man der CDU – außer in Hamburg mit Ole von Beust – das zutiefst liberale, moderate, nicht muffige, nicht angestaubte nämlich noch nicht so ganz. Da bleiben viele doch lieber bei den Grünen. Und es kommen noch welche hinzu, nachdem jetzt selbst vormals echte Linke wie Jürgen Trittin immer mehr als arriviert und zivilisiert oder wahlweise domestiziert dastehen.

Die zweite Gefahr wird immer bestritten von CDU-Seite, aber gefürchtet wie vom Teufel das Weihwasser: Wenn sich die richtigen Schwarzen, nennen wir sie kurz die Dregger-CDU, von ihrer Partei wirklich gar nicht mehr vertreten fühlen, was dann? Dann könnte es auf der Rechten eine Abspaltung geben. Es muss ja nicht immer auf der Linken so sein. Merkels Moderate könnten plötzlich gegen Merzens Moserer stehen. Was wiederum alles in allem besagt: Für sich genommen reicht ein Metzger nicht aus. Die CDU kann aber ein Programm daraus machen.

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