Zeitung Heute : Mexiko – Iran 3 : 1

WM-Stadion Nürnberg, 11. Juni 2006, 36 898 Zuschauer

Tim Jürgens

Ein magischer Augenblick, zwölf Minuten vor Anpfiff. Seit einiger Zeit schon wandert die von einer Übermacht Mexikaner befeuerte „La Ola“ durchs Frankenstadion. Nur in der Südkurve, am Iran-Block, stockt die wogende Fanwelle. Da plärrt Mick Jagger plötzlich aus den Boxen: „I can’t get no satisfaction“. Die hedonistische Welthymne, einst Symbol des abendländischen Sittenverfalls, bringt plötzlich Bewegung in das iranische Teilstück. Zunächst reißt es nur Einzelne von den Sitzen, mit jeder Woge gehen aber mehr Arme nach oben. Und als Keith Richards ein letztes Mal zu seinem legendären Riff ansetzt, verschmilzt für einen Moment die Menge mit den Landesfarben in Rot-Weiß-Grün (quer) mit der Masse aus Rot-Weiß- Grün (hoch) zu einem Farbenmeer: In fantastischer Präzision reißt es den Block der Iraner in die Senkrechte – und die Menschen im Frankenstadion beweisen der Welt, wie Fußballfans Weltpolitik bedeutungslos machen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: 24 Minuten nach Anpfiff beginnen die Iraner ihrerseits die nächste „La Ola“. Der Endstand stellt dann die Teilung der Fanblöcke wieder her. Die Mexikaner intonieren den Evergreen „Dolores“. Solo.

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