Michael Jackson : Warum werden tote Stars öffentlich aufgebahrt?

Der verstorbene Popstar Michael Jackson soll am Freitag für seine Fans aufgebahrt werden. Auch andere Persönlichkeiten werden nach ihrem Tod noch einmal öffentlich gezeigt. Warum macht man das?

Christian Tretbar

Eine öffentliche Person war der Popstar Michael Jackson im Prinzip zeit seines Lebens. Auch nach dem Tod ist er öffentlich. Sogar regelrecht. Am Freitag soll er auf seiner Neverland-Ranch aufgebahrt werden, damit tausende Fans von ihm Abschied nehmen können.

„Ein ungemein wichtiger Vorgang“, sagt Jorgos Canacakis. Der Diplompsychologe und Leiter der Essener Akademie für Menschliche Begleitung sieht in der Tatsache, dass Fans sich auf diese Weise von ihrem Idol verabschieden können, einen bedeutenden Beitrag zur Trauerarbeit: „Wenn sie ihn dort aufgebahrt sehen, ist klar, dass er tot und weg ist, damit kann es keine Halluzinationen geben.“ Am besten sei es sogar, ihn zu berühren, um zu spüren, dass er kalt ist. Allerdings werde das bei Jackson wohl kaum möglich sein, weil die Fans sonst über ihn herfallen würden. „Es ist wichtig, miteinander zu weinen und Gefühle zuzulassen, die man sonst in sich hineinfressen würde, was zu Depressionen führt“, sagt Canacakis. Viel zu häufig sei das heute der Fall. „Aber Tränen, die nicht gesehen werden, sind umsonst“, sagt der Psychologe. Viele Fans hätten sich so stark mit Jackson identifiziert, dass sein Tod für sie nicht nur das Verschwinden einer wichtigen Person im Leben sei, sondern auch wie ein eigenes Verschwinden empfunden werde.

Auch andere Persönlichkeiten wurden nach ihrem Tod öffentlich aufgebahrt. So wurde der Leichnam von Papst Johannes Paul II aufgebahrt genauso wie der von Startenor Luciano Pavarotti. Das öffentliche Aufbahren nach dem Tod für einige Zeit ist ein Schritt des Abschiednehmens, ein dauerhaftes Erinnern wäre dann das Mausoleum. Ob es so etwas auch für Jackson geben wird, ist unklar. Viele Fans hoffen allerdings, dass seine Neverland-Ranch eine Art Jackson-Museum wird und damit auch eine Erinnerungsstätte an seinen Tod.

Mausoleen gibt es heute noch zahlreiche. Der Tadsch Mahal in Indien ist eines der berühmtesten – und sogar Unesco-Weltkulturerbe. In Moskau zieht Lenins monumentales Grabmal nach wie vor viele Menschen an. Und das Mausoleum von Mao Zedong ist ebenfalls weltberühmt. „Staaten nutzen solche Orte oft als Selbstvergewisserung“, sagt Canacakis. Im Kontext der Trauer dienen aber auch diese Orte der persönlichen Vergewisserung, dass eine Person wirklich tot ist.

Auch in Deutschland gibt es Mausoleen. Zum Beispiel für die ostfriesische Adelsfamilie Cirksena in Aurich, Ostfriesland. Oder das Otto-von-Bismarck-Mausoleum im Sachsenwald, in der Nähe von Hamburg.

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