Zeitung Heute : Microsoft lehnt Maßnahmen für mehr Sicherheit ab

Der Virus "I love you" verbreitet sich rasant unter anderen Namen

Bei der Suche nach dem Urheber des zerstörerischen E-Mail-Virus "I love you" sind weiterhin ein Filipino und ein deutscher Austauschschüler im Visier der Fahnder. Allerdings warnten Experten, dass Informationen aus der E-Mail falsch sein und vom wahren Autor ablenken könnten. Die philippinische Polizei erklärte am Sonntag, sie habe den mutmaßlichen Hacker identifiziert. Nach Ermittlungen des philippinischen Providers Accessnet soll ein 22-jähriger Filipino den Virus von Manila aus ins Netz geschleust haben. Der Virus hatte sich in der vergangenen Woche rasant verbreitet und nach Schätzung von Experten Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Die Identität des Verdächtigen werde nicht vor seiner Festnahme bekannt gegeben, hieß es. Ein schwedischer Computer-Fachmann hatte am Sonnabend bekannt gegeben, er habe einen deutschen Austauschschüler in Australien über das Netz als Absender des Virus aufgespürt.

Die Viren befallen nur E-Mail-Programme von Microsoft. Sie machen sich dabei eine Eigenart des Betriebssystems Windows zu Nutze. Dieses lässt sich auch mit einer Programmiersprache steuern. Die Viren enthalten eine Reihe solcher Befehle und verschicken sich damit an alle Adressaten in der Adressenliste des befallenen Computers.

Ein Microsoft-Sprecher lehnte es ab, die fraglichen Optionen aus dem betroffenen E-Mail-Programm "Outlook" zu entfernen. Stattdessen sollten die Benutzer dessen eingebauten Warnfunktionen nutzen und die fraglichen Dateien vor dem Öffnen mit Anti-Viren-Programmen untersuchen.

Am Wochenende verbreiteten sich immer neue Varianten des Virusprogramms im Internet. Eine der rund zehn Versionen trägt den Titel "Muttertag". Diese ist noch gefährlicher als "I love you", weil sie Dateien überschreibt, die der Computer nach dem Einschalten zum Starten benötigt. Andere Abarten geben sich als Warnmeldung aus und liefern dem Empfänger angeblich eine Datei, um sich gegen Manipulationen des Systems zu schützen. Tatsächlich installieren sie beim Öffnen aber den Virus. Hersteller von Anti-Viren-Programmen erwarten weitere Mutationen der Viren, deren Code auch ohne tiefer gehende Kenntnisse geändert werden kann.

"Es ist der bösartigste, schädlichste, teuerste und am schnellsten um sich greifende Virus in der Computergeschichte", sagte Peter Tippett von der US-Computersicherheitsfirma ICSA.net.

Innenminister Schily erklärte, es handele sich um einen sehr ernst zu nehmenden Angriff auf die Datensicherheit. Die Sicherheit der Kommunikation sei eine elementare Voraussetzung für das Funktionieren moderner Volkswirtschaften. Schily beauftragte das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Ermittlungen und sprach sich für eine Verschärfung des Strafrechts gegen Hacker- Kriminalität aus.

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