Zeitung Heute : Microsoft: Weniger Windows

Nach dem Start der Windows Millenium Edition (ME) trennt sich Microsoft schrittweise von alten Vorgängerversionen, die dem US-Softwareriesen im ausgehenden zweiten Jahrtausend noch Milliardenumsätze beschert hatten. Die überholten Versionen, die in Deutschland derzeit noch in neun von zehn Heimcomputern stecken, sollen in naher Zukunft technisch nicht mehr unterstützt werden. Aus den Regalen längst verschwunden ist das bisher erfolgreichste Produkt, Windows 95, bei dessen Start vor fünf Jahren sich noch lange Käuferschlangen vor den Geschäften gebildet hatten.

Wann Microsoft die kostenpflichtige technische Hilfe einstelle, lasse sich nicht genau bestimmen, sagt Thomas Baumgärtner, Sprecher der deutschen Unternehmenszentrale in München, "der Support wird vom Markt getrieben". Sogar bei Problemen für das längst verstaubte Windows 3.1 werde mitunter noch geholfen, "die Nachfrage ist aber extrem gesunken". Auf dem Privatnutzer-Markt hat der Kunde derzeit noch die Wahl zwischen dem alten Windows 98 SE (Second Edition) und dem neuen Windows ME. Voraussichtlich nur für wenige Monate werden Computerhändler noch beide Versionen parallel anbieten. Wie lange es eine Wahlmöglichkeit geben wird, macht Microsoft vom Erfolg der Millenium-Version und dem Echo der Soft- und Hardwarefirmen abhängig. Zahlreiche Anwender stabil laufender Installationen von Windows 95 und 98 dürften deshalb gut fahren, wenn sie die kostenlos erhältlichen Zusatzprogramme wie Internet-Explorer und Media Player installieren, die den vollen Funktionsumfang der neuesten Version bieten.

Ähnlich ist die Lage bei den stabileren und teureren Profi-Versionen von Windows NT (New Technology). Standard-Support für NT 3.1 sowohl für Einzelplatz- als auch Mehrplatz-Serverlizenzen gewährt Microsoft nicht mehr. Bei NT 4 ist der Verkauf von Restbeständen im Gange. Bereits im Frühjahr war Windows NT vom Profi-Nachfolger Windows 2000 abgelöst worden.

Derweil wird am Microsoft-Hauptsitz in Redmond bereits an Systemen gearbeitet, die die aktuellen Windows-Versionen in Rente schicken sollen. Der Prozessor-Hersteller Intel will zum Jahreswechsel mit dem Itanium den ersten Prozessor einer neuen Generation vorstellen (siehe Beitrag auf dieser Seite). Im kommenden Jahr will Microsoft zunächst Windows 2000 für diesen Prozessor fitmachen. Mitte nächsten Jahres wird parallel dazu der Marktstart des Windows-2000-Nachfolgers für Pentium-Rechner erwartet, der unter dem Codenamen Whistler läuft.

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