Zeitung Heute : Microsoft will Yahoo für 30 Milliarden

US-Softwarekonzern greift Google an

Berlin - Für 45 Milliarden Dollar – umgrechnet 30 Milliarden Euro – will Microsoft die angeschlagene Internet-Suchmaschine Yahoo kaufen und damit Marktführer Google angreifen. Der größte Softwarehersteller der Welt, der aber im Internet den Anschluss verloren hat, legte am Freitag ein entsprechendes Angebot vor. Yahoo bezeichnete es als unerwünscht, will es aber „sorgfältig und rasch“ prüfen. Microsoft erwartet durch den Zusammenschluss Ersparnisse von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr.

Offeriert werden 31 Dollar je Aktie, was zwei Drittel über dem Schlusskurs des Vortages liegt. Der Yahoo-Kurs explodierte förmlich und zog Börsen in aller Welt nach oben. Der Wert der Offerte entspricht in etwa dem Börsenwert der Deutschen Post, dem deutschen Verteidigungshaushalt oder der Hälfte der Schulden des Landes Berlin. Microsoft will die Summe jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien bezahlen.

Bei ersten Verhandlungen vor einem Jahr hatte Microsoft Yahoo nicht überzeugen können. Die 1995 von den Studenten Jerry Yang und David Filo gegründete Suchmaschine gilt als Ikone des Internets, ist aber bei den Werbeeinnahmen längst von Google abgehängt worden. Google nimmt in zwei Monaten so viel Geld ein wie Yahoo in einem ganzen Jahr. Hinzu kommt, dass Yahoo derzeit schwächelt. Erst diese Woche hatte das Unternehmen einen massiven Gewinneinbruch bekanntgegeben und angekündigt, rund 1000 der weltweit gut 14 000 Stellen zu streichen.

Nach Einschätzung von Microsoft wird sich der Online-Werbemarkt bis zum Jahr 2010 auf 80 Milliarden Dollar verdoppeln. „Wir haben großen Respekt für Yahoo. Zusammen können wir immer spannendere Lösungen für Verbraucher, Inhalteanbieter und Werbekunden bieten“, erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer. Sein Unternehmen hat den Gewinn im abgelaufenen Quartal um 80 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar gesteigert, vor allem dank des Betriebssystems Windows und des Office-Pakets. mod

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