Zeitung Heute : Miese nicht nur durch Krise

Die Bankenaufsicht hat die Weserbank in Bremerhaven geschlossen. Ist die weltweite Finanzkrise der Grund für die Pleite?

Stefan Kaiser

Für den Chef der Weserbank ist die Sache klar: Er sieht sein Institut als Opfer der weltweiten Finanzkrise. „In einem normalen Marktumfeld hätte die Bank niemals geschlossen werden müssen“, sagte Gerold Lehmann der Nachrichtenagentur Reuters. Wie bei großen Banken auch, hätten die Wertpapiere, die die Weserbank in ihren Beständen hält, im Zuge der Krise dramatisch an Wert verloren. Außerdem habe sich in der jetzigen Situation kein Käufer gefunden, der die Bank hätte retten können.

Bei der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sieht man das anders: „Die Finanzkrise ist nicht der Auslöser für die Pleite der Bank“, betonte eine Sprecherin der obersten Aufsichtsbehörde. Auch ohne die Verwerfungen an den Finanzmärkten wäre es früher oder später zu einer Schließung gekommen.

Die Bafin hatte am Dienstag eine Überschuldung der Weserbank festgestellt und das Institut anschließend dichtgemacht. Die Türen der Bank blieben am Mittwoch verschlossen, auch die Internetseite wurde abgeschaltet. In einer offiziellen Mitteilung der Bafin hieß es, nachdem die Bank ihr Geschäftsmodell umgestellt hatte, sei sie nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft Erträge zu erwirtschaften, um die laufenden Kosten zu decken.

Dahinter steckt die Geschichte einer winzigen Bank, die zu hoch hinaus wollte. Sie wurde im Jahr 1912 als „Viehmarktsbank der Unterweserstädte“ gegründet. 2001 gab sie das Viehmarktgeschäft auf. 2006 wurde sie von einer Investorengruppe um Bankchef Lehmann übernommen. Von nun an wollten die Bremerhavener Banker größere Räder drehen. Sie eröffneten eine Filiale in Frankfurt und stiegen sogar in das Investmentbankinggeschäft ein. Doch die Ziele waren zu groß gewählt. Mit einer Bilanzsumme von rund 121 Millionen Euro ist die Weserbank kleiner als die Stadtsparkasse Bad Sachsa – und die ist immerhin die kleinste Sparkasse Deutschlands. „Wie wollte so eine Bank bei Börsengängen mitmischen?“, fragt man sich deshalb in der Branche. „Das ist eine kleine Klitsche, die sich übernommen hat“, heißt es jetzt.

Immerhin müssen sich die rund 2800 Kunden der Bank keine Sorgen machen. Sie bekommen ihr Geld zurück. Die Bafin hat ein Moratorium erlassen, um die Vermögenswerte zu sichern. Für den Rest garantiert der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken, in dem die Weserbank Mitglied ist. „Der Einlagensicherungsfonds wird die Kunden anschreiben und voll entschädigen“, sagte ein Sprecher des Bankenverbandes.

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