Zeitung Heute : Mietwagen erkunden

Ariane Bemmer

Wie eine Westberlinerin die Stadt erleben kann

Mein erstes Auto hat noch die Mutter gekauft. Ein Toyota Starlet, der auf dunklen Euroimportsonderwegen nach Deutschland kam, und deshalb trotz Aufpreis für den bizarren Wunsch nach Speziallackierung in braun metallic unter 9000 D-Mark kostete, heute etwa 4500 Euro. Ein unfassbares Schnäppchen. Das Auto war nicht schnell aber spritzig, solange nur eine Person drin saß. Es war spartanisch, die Türen klangen beim Zuwerfen blechern, aber es fuhr anstandslos, sprang noch im tiefsten Winter an und bot so keinerlei Anlass zum Kauf eines anderen Autos, was ich insgeheim bedauerte, denn ich wollte auch mal ein richtiges Auto. Eins, das auch vollbepackt noch fährt, dessen Türen sich schmatzend schließen, eins, mit dem ich auch mal jemanden überholen kann. Seit fünf Jahren fahre ich deshalb einen VW Golf III. Damit, so fand ich, sei die Autobauerkunst am Ziel, was sollte man nun noch besser machen?

Aber die Autobauerkunst hat vor fünf Jahren natürlich nicht Halt gemacht, sie hat sich förmlich überschlagen vor Erfindergeist – mit dem Ergebnis, dass ich mit modernen Autos nicht mehr umgehen kann. Das merkte ich neulich, als ich einen Mietwagen betanken wollte. Ich rüttelte an der Tankabdeckung, vergeblich, suchte im Cockpit nach Tankabdeckungsöffnungstasten, lief ums Auto herum, überlegte, den Tankwart zu rufen, den ADAC oder die Polizei, lief noch ein paar Mal ums Auto, setzte mich deprimiert hinein und entdeckte sie dann: Die Tankabdeckungsöffnungstaste war im Türrahmen (es war ein Audi A2). Kurz darauf war ich mit einem anderen Mietwagen unterwegs, der hatte ein Navigationssystem, dessen Display meine gesamte Aufmerksamkeit absorbierte. Nur über dieses Display konnte ich das Radio anmachen, wozu ich einen Drehregler drehen musste, der in der Mitte der Armlehne montiert war. Ich hörte die ganze Zeit nur einen rauschenden SWR und auf dem Menüweg dahin habe ich versehentlich als Höchstgeschwindigkeit 6 km/h programmiert, was ein unentwegtes Bimmeln zur Folge hatte. Ich verfluchte alle Technik. Die Welt war schöner, als Autos noch fahrende Dosen waren.

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