MIGRANTEN UND MEDIEN : Aus der Ferne

In der Mediennutzung türkischer Migranten wird häufig ein Integrationshindernis gesehen. Der Konsum türkischsprachiger Fernsehsender behindere das

Erlernen der deutschen Sprache, außerdem seien die Inhalte oft nur auf die

Situation in der Türkei ausgerichtet,

lautet eine oft gehörte Kritik. Eine Studie des Zentrums für Türkeistudien (ZfT)

an der Universität Duisburg-Essen kommt zu einem differenzierteren Befund. 1000 Türkeistämmige in Deutschland wurden nach ihrem Fernsehverhalten befragt. „Die Nutzung deutschen und türkischen Fernsehens erfolgt meistens komplementär. Das heißt, beide Angebote werden zumeist selektiv und nach Bedarf genutzt“, sagt Faruk Sen, Direktor des ZfT. Die Existenz türkischer Fernsehangebote an sich behindere nicht den Zugang zur deutschen Mediennutzung. Nach der Studie nutzen nur

12 Prozent der Befragten ausschließlich türkische Sender. 66 Prozent der Befragten schauten zwar „überwiegend“ türkisches Fernsehen – das heiße aber nicht, dass diese kein Interesse an einer Integration in Deutschland hätten, meint Sen. Es gehe eher darum, sich über Entwicklungen in der Türkei auf dem Laufenden zu halten. Lediglich sieben Prozent der Nutzer türkischer Fernsehprogramme tragen sich demnach mit dem Gedanken, später in die Türkei zurückzukehren. In der Studie wird allerdings darauf hingewiesen, es sei für Migranten „nicht unproblematisch“, sich aus zwei Medienwelten zu bedienen. Gerade die besondere Migrationssituation könne in der Berichterstattung schnell zu kurz kommen. „Da weder Medien des Herkunftslandes noch der Aufnahmegesellschaft dem Lebensgefühl der Zuwanderer immer gerecht werden, sind autentische Angebote von Migranten für Migranten unerlässlich“, heißt es. Allerdings müsse durchaus gewürdigt werden, dass sich sowohl öffentliche wie private Sender in Deutschland aufgemacht hätten, die Repräsentanz von Migranten deutlich zu erhöhen. fal

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