Zeitung Heute : MIGRANTENFÖRDERUNG – GIBT ES DA EINEN KÖNIGSWEG?

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Helmut Rau,

Kultusminister in Baden-Württemberg

Damit Integration gelingen kann, müssen gesellschaftlich-politisch relevante Bereiche wie Bildung, Ehrenamt, Arbeitsmarkt und Wohnungsbau ineinander greifen und gemeinsame Anstrengungen unternehmen. Ein Schwerpunkt der Integrationspolitik in Baden-Württemberg liegt auf der Sprachförderung. Sie soll Kindern mit Migrationshintergrund eine gleichberechtigte Teilhabe an vorschulischen und schulischen Angeboten ermöglichen und damit ihre individuellen Bildungschancen verbessern. Sprache ist der Schlüssel dazu. Deshalb hat das Land verschiedene Förderinstrumente entwickelt.

Bildung beginnt mit der Geburt. Die individuelle Begleitung und Förderung von Bildungsprozessen der Kinder in Familie und Kindergarten ist bedeutsam für die Entwicklung. Sprachförderung ist eine Chance. Deshalb beginnen wir bereits im Kindergarten mit der gezielten Förderung. Der „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten“ konzentriert sich auf sechs maßgebliche Felder: Körper, Sinne, Sprache, Denken, Gefühl und Mitgefühl, Sinn und Werte und Religion unter besonderer Berücksichtigung der Sprachentwicklung. Damit stärken wir Lern- und Bildungsprozesse, die dem individuellen Entwicklungstempo von Kindern angepasst sind. Hierbei kommt der Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule hohe Bedeutung zu. Die verbindliche Einführung ist für das Kindergartenjahr 2009/10 vorgesehen.

Als weitere Maßnahme sei auch das Projekt der Landesstiftung zur zusätzlichen Sprachförderung im Vorschulalter erwähnt. Das intensive Sprachförderprogramm umfasst Maßnahmen für Kinder, die eineinhalb bis zwei Jahre vor dem Schulbeginn stehen und eine über den Orientierungsplan hinaus gehenden Sprachförderbedarf haben. Sie werden für Kinder mit deutscher Muttersprache und für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache angeboten. Der notwendige Förderbedarf wird durch Sprachstandserhebungen festgestellt. Bereits jetzt wurden mehr als 35 000 Kinder gefördert. An zahlreichen weiteren Landesprojekten im Bereich der Sprachförderung nehmen derzeit mehr als 41 000 Kinder teil. Die Sprachförderung besonders für Migrantenkinder zieht sich als durchgängiges Prinzip durch die neuen Bildungspläne für die Grund- und Hauptschule, die im Jahr 2004 eingeführt wurden – denn Deutsch ist Unterrichtsprinzip.

Dennoch haben wir im Bereich der Integration riesige Aufgaben zu bewältigen. Mit der Vernetzung politischer Handlungsfelder machen wir den richtigen Schritt zu mehr Chancengleichheit. Baden-Württemberg hat einen Migrantenanteil von mehr als 30 Prozent. Pisa hat gezeigt, dass Migrantenkinder hier deutlich bessere Leistungen als in anderen Ländern erzielen. Das bedeutet, dass sie ihre Chancen erkennen und wahrnehmen. Darüber hinaus ist für gelungene Integrationsarbeit auch eine Wertebindung der Kinder und Jugendlichen wichtig. In diesem Zusammenhang ist die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in öffentlichen Schulen zu sehen, der im Herbst modellhaft startet.

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