MILIEUSTUDIE„Magic Mike“ : Die Könige des Sixpacks

Foto: Concorde
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Dass man beim Sehen dieses Stripperfilms nicht halb so viel Vergnügen hat wie das weibliche Publikum im Film, ist kaum verwunderlich. Denn er zeigt außer ein paar spektakulären Auftritten vor allem das ziemlich schäbige Milieu, dem die nicht durchweg jungen Kerle zu entfliehen trachten – oder auch nicht. Selbst im provinziellen Tampa in Florida verdienen sie mit ihrer Show nicht nur ein Festgehalt, sondern sie dürfen auch noch die zugesteckten Dollarnoten behalten. Mehr Geld kann man ohne Grips und Ausbildung nicht machen.

Das denkt zumindest der Loser Adam (Alex Pettyfer), der neu zur Truppe stößt und von deren Chef Dallas (Matthew McConaughey) im Glauben gelassen wird, dass er im Paradies gelandet sei: Drogen und Alkohol, Geld und willige, betrunkene Frauen sind an der Tagesordnung. Wenngleich man von einer solchen kaum sprechen kann, denn Adam schläft am Tag. Sein neuer Freund „Magic Mike“ (Channing Tatum) dagegen hat es satt. Er sucht nach einem Weg raus aus dem Milieu und hinein in die kleinbürgerliche Idylle inklusive Frau, Haus und eigenem Handwerksbetrieb. Aber das ist nicht ganz so einfach, wie er sich das vorstellt.

Steven Soderbergh hat eine Milieustudie inszeniert, die von furiosen Stripchoreografien akzentuiert und rhythmisiert wird: Ansehnliche Männer verschiedenen Alters und Körperbaus lassen zum stampfenden Diskosound der Achtziger die Hüllen fallen und präsentieren ihre Körper einem kreischenden Mädelspublikum, das womöglich viel hemmungsloser aus der Rolle fällt als Männer in vergleichbaren Situationen.

Erstaunlich ist, dass man als Zuschauerin schnell genug hat von diesen Darbietungen, sie als eintönig und langweilig wahrnimmt. Und damit hat Soderbergh geschafft, was er wollte: Der Talmiglanz der Auftritte, die schlecht abgemischte Musik, die künstliche Anmache und die billigen Dessous der Stripper vermitteln ein Gesamtbild äußerster Tristesse. Vor diesem Hintergrund spielen die Lebensentwürfe der drei Protagonisten: Der Einsteiger Adam, der Aussteiger Mike und der Chef Dallas gehen unterschiedliche Wege. Großartig selbstreflektiert ist Matthew McConaughey als alternder Stripper, der in diesem Film vielleicht die beste Rolle seiner Karriere spielt. Zu wünschen wären dem ehemaligen „Sexiest Man Alive“ noch ein paar bessere. Desillusionierend. Daniela Sannwald

USA 2012, 111 Min., R: Steven Soderbergh,

D: Matthew McConaughey, Channing Tatum,

Olivia Munn, Alex Pettyfer

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