Zeitung Heute : Militärs: Zivilen Einsatz in Afghanistan verstärken Deutscher General sieht erheblichen Nachholbedarf

I. Müller S. Lemkemeyer

Berlin - In der Debatte um die richtige Strategie der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan hat der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gemahnt, dass eine Truppenverstärkung ohne deutlich intensiveres ziviles Engagement keinen Sinn mache. „Eine rein militärische Aufstockung wird nichts nützen, wenn nicht auch das zivile Engagement deutlich verstärkt wird“, sagte Generalleutnant Rainer Glatz dem Tagesspiegel. Auch die USA würden ihr ziviles Engagement aufstocken. Der 58-Jährige sieht „erheblichen Nachholbedarf: bei der Wasserversorgung, der Elektrizitätsversorgung und beim Wege- und Straßennetz. Wir könnten auch mehr bei der Beratung in der Landwirtschaft tun“.

Glatz, der den Bundeswehreinsatz aus Potsdam leitet, machte auch deutlich, dass für die neue Strategie des Oberkommandierenden für Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, aber auch mehr Bundeswehrsoldaten gebraucht würden. Und wenn McChrystals Plan umgesetzt werde, werde auch das Risiko für deutsche Soldaten steigen. „Wenn sie stärker in die Fläche gehen, werden sie nicht ausschließen können, dass auch das Risiko der Auseinandersetzung mit Aufständischen steigt.“ Er fügte hinzu: „Und wir müssen davon ausgehen, dass die Situation in der Region Kundus auf absehbare Zeit nicht stabil sein wird.“

Auch beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Bratislava wurde deutlich, dass die Allianz um einen neuen Kurs bemüht ist. Nötig sei eine breit angelegte Strategie, um die Gesellschaft zu stabilisieren, und ein engeres Zusammenspiel zwischen militärischen Anstrengungen der Nato und zivilem Wiederaufbau und Entwicklung, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen laut dpa. Die 28 Nato-Ressortchefs vermieden aber jede Festlegung zu der Forderung von McChrystal, die Schutztruppe Isaf massiv aufzustocken. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, das Bundeswehr-Mandat mit bis zu 4500 Soldaten solle im Dezember unverändert verlängert werden. Erst nach der internationalen Afghanistan-Konferenz könne man „dann noch einmal neu diskutieren“. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für dieses Jahr angekündigte Konferenz wird allerdings wohl erst 2010 stattfinden.

Besorgt äußerten sich die Nato-Verteidigungsminister auch über die Lage im Nachbarland Pakistan. Die Atommacht wurde am Freitag knapp eine Woche nach Beginn der Offensive gegen die Taliban erneut von einer Welle der Gewalt erschüttert. Mindestens 40 Menschen kamen um. I. Müller/S. Lemkemeyer

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