Zeitung Heute : Millennium Edition: Update oder nicht?

Ohne großes Aufsehen kommt am Donnerstag das neue Windows heraus. Die "Millennium Edition", kurz Windows ME genannt, ist aber eher ein Zwischenspiel als ein Jahrtausendwerk (siehe oben stehenden Beitrag). AP-Mitarbeiter Peter Zschunke hat Vor- und Nachteile von Windows ME zusammengestellt.

Pro

1) Windows ME ist mit neuen "Selbstheilungskräften" ausgestattet: Die zentralen Systemdateien werden vor ungewollten Änderungen geschützt. Wenn auch nach einem Neustart gar nichts mehr läuft, kann die Systemkonfiguration auf einen früheren Zeitpunkt zurückgesetzt werden.

2) Windows ME bietet automatische Updates an: Während einer Internet-Verbindung wird im Hintergrund geprüft, ob es neue Aktualisierungen oder "Service Releases" für das System gibt.

3) Wer daheim oder in einem Kleinbetrieb zwei oder mehr Computer miteinander verbinden will, kann mit Windows ME ein solches Heimnetzwerk ohne technische Detailkenntnisse einrichten.

4) Windows ME bringt neue Spiele mit wie das von Windows NT/2000 übernommene Flipperspiel Pinball.

5) Die zip-Technik für komprimierte Dateien ist jetzt im Datei-Manager integriert; komprimierte Dateien können fast so behandelt werden wie nicht verpackte Daten.

6) Das Betriebssystem enthält neue Multimedia-Programme: die Abspielsoftware Media Player und den Movie Maker für das Zusammenstellen digitaler Videos.

7) Windows ME verspricht einen etwas schnelleren Start nach dem Einschalten des Computers.

Kontra

1) Windows ME stellt einen technischen Kompromiss mit der Vergangenheit dar - es enthält weiterhin den veralteten Systemkern von DOS, auch wenn es sich nicht mehr im DOS-Modus - also ohne den grafischen Desktop - starten lässt.

2) Die Hardware-Anforderungen sind mit Windows ME erneut gestiegen. Microsoft gibt als Minimalausstattung einen Pentium-150 mit 32 MB RAM und 230 MB auf der Festplatte an.

3) Die neue Möglichkeit zur Systemwiederherstellung kostet Speicherplatz: 200 bis 400 MB müssen dafür reserviert werden.

4) Der Media Player kann aus Konkurrenzgründen nichts mit den Dateiformaten von Real Networks anfangen, die zu den meist verbreiteten Multimedia-Dateien im Internet gehören. Von einer CD kopierte Musik wird nicht im MP3-Format gespeichert, wie es für die meisten MP3-Player benötigt wird.

5) Mit der Abschaffung des DOS-Modus können ältere Computerspiele nur noch im DOS-Fenster gestartet werden - was aber nicht bei allen DOS-Programmen möglich ist. Probleme gibt es auch mit einigen hardwarenah arbeitenden Tools. Für diese Software wie beispielsweise PartitionMagic von Powerquest wird damit eine neue Version erforderlich.

6) Die meisten neuen Zusatzprogramme wie der Media Player oder der Internet Explorer 5.5 können auch einzeln - und kostenlos aus dem Netz geladen werden.

7) Wer schon Windows 98 hat, muss für wenige Update-Änderungen einen relativ hohen Preis zahlen: Bis Mitte Januar 2001 sind es 149 Mark, danach sind es wie beim Umstieg von Windows 95 sogar 229 Mark.

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