Milliardenverlust für Murdoch : Der „Haifisch“ muss jetzt Zähne zeigen

Joachim Huber

Das Beben fand in New York statt, seine Wellen aber haben München längst erreicht. Der deutsche Pay-TV -Sender Premiere zittert, was der horrende Quartalsverlust seines wichtigsten Anteilseigners für die eigene Zukunft bedeuten mag. Der Anteilseigner, das ist die News Corporation von Rupert Murdoch. Gerade hatte der Medienmogul seinen Statthaltern in München die Sanierung des defizitär arbeitenden Senders über eine noch ausstehende Kapitalerhöhung ermöglicht, da „errötet“ sein global agierendes Imperium selbst. Durch die globale Wirtschaftskrise, die auf die Medien durchschlägt, und milliardenschwere Abschreibungen hat News Corporation im vergangenen Quartal einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) erlitten. Die Wertberichtigungen im Fernseh- und Zeitungsgeschäft summierten sich auf 8,4 Milliarden Dollar, der Umsatz fiel wegen der schwindenden Werbeerlöse um mehr als acht Prozent auf 7,9 Milliarden (6,2 Milliarden Euro). Ein Jahr zuvor hatte News Corp. einen Gewinn von 832 Millionen Dollar erzielt.

Was Murdoch, Amerikaner australischen Ursprungs, beunruhigen muss: Der Krisenstrudel hat nahezu alle Sparten seines Unternehmens erfasst, das Filmgeschäft (Twentieth Century Fox), die Zeitungen (darunter „Wall Street Journal“, die britische „Times“), den Finanzmedienkonzern Dow Jones, die TV-Engagements wie das US-Network Fox oder die Pay-TV-Gruppe Sky, schließlich das Online-Portal Myspace.

Der 77-jährige Murdoch zeigte sich von der Tiefe und der möglichen Dauer des Einbruchs überrascht. „Dies ist die schlimmste globale Wirtschaftskrise seit dem Start der News Corporation vor 50 Jahren“, sagte Murdoch. Er kündigte rigorose Einsparungen und weiteren Stellenabbau an. Noch wird für das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn gerechnet.

Die Situation ist neu für Murdoch, seine junge (dritte) Frau, seine beiden Söhne James und Lachlan (aus zweiter Ehe), die alle für die News Corp. arbeiten. Bisher kannte der Konzern nur Erfolgszahlen – größer, reicher, erfolgreicher, bis Murdoch ein Medienmogul und News Corp. ein Medienimperium geworden waren. Beute machen, das war das Ziel des „Haifischs“, wie Murdoch auch genannt wird. Geld ist ihm wichtig, wichtiger jedoch, dass er allen Wettbewerbern zeigen kann, wer der Beste ist. Das fordert jetzt den ganzen Tycoon, da muss die vakante Nachfolge warten. Und München blickt mit Bangen nach New York. Joachim Huber

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