MINI-FESTIVALPuschenfest : Die wollen nicht nur spielen

Puschen heißt die kleine, aber feine Booking-Agentur aus Berlin, die nun schon zum vierten Mal zum „Puschenfest“ lädt, dem ebenso kleinen, aber feinen Festival für den Musikfan, der schon alles kennt. Nicht mehr wirklich Underground, aber ein ewiger Geheimtipp sind die Freitags-Headliner Bohren & der Club of Gore, die von Drone-Elfe Julia Holter supportet werden: Die vier Mülheimer versuchten sich Ende der Achtziger zunächst im Hardcore-Metal, fanden jedoch schnell zu ihren Jazz-Wurzeln zurück und verpassten sich eine radikale Entschleunigungskur. Auf „Midnight Radio“ von 1995 war die bis heute unkopierte Mischung aus ultralangsamem Jazz-Doom-Ambient voll ausgereift, die immer wieder zum meditativen Kopf-Horrorkino einlädt. „Other bands play, Bohren bore!“, so Keyboarder Morten Gass.

Wer es lauter braucht, kann sich am Donnerstag mit den Electro-Dance-Rockern Suuns eingrooven und anschließend Moon Duo (Foto) auf den Space- Trip folgen: Das 2009 gegründete Gespann aus San Francisco steht zwar deutlich in der Tradition der monotonen Minimal-Rhythmiker Neu!, genehmigt sich allerdings einem tiefen Schluck aus der Rock-’n’-Roll-Pulle. Beim Puschenfest werden Gitarrist Ripley Johnson und Keyboarderin Sanae Yamada nicht nur Songs ihres in Bälde erscheinenden dritten Albums spielen, sondern auch erstmals mit einem Drummer auftreten. Der hat hoffentlich etwas Kühlsalbe dabei, denn normalerweise nutzen Moon Duo einen Drumcomputer, um ihre Psychedelic-Feuerwalzen nach vorne zu treiben und die Gelenke etwaiger Schlagzeuger zu schonen. Other bands bore, Moon Duo moves! Erik Wenk

Lido, Do 1.8., 20.30 Uhr, 18 €, Heimathafen

Neukölln, Fr 2.8., 21 Uhr, 21 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!