MINIMALISMUSCeal Floyer in den Kunst-Werken : Die feinen Unterschiede

Christina TilmannD

Beim Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2007 war sie der Geheimtipp – und prompt die Gewinnerin, mit ihrer wie eine Skulptur von Donald Judd an der Wand befestigten Treppe aus schwarzen Lautsprecher-Kästen, die im ansonsten leeren Raum leise Schritte hören ließ, Treppe rauf, Treppe runter. Minimalismus, Perfektion, Sinn für Raum und Situation prägen das Werk der in Pakistan geborenen Britin, die 1997 mit einem Daad-Stipendium nach Berlin kam. Es ist oft ein Spiel mit Illusion und Alltäglichkeit, das Ceal Floyer betreibt: ein Lichtschalter, der an eine kahle Wand projiziert wird, ein schmaler Streifen Licht, der unter einer Tür hervorzuschimmern scheint, eine Sammlung aus Kassenbons, die lauter weiße Gegenstände als Einkäufe auflisten, Zettel, auf denen Kunden in Schreibwarenläden Kugelschreiber ausprobiert haben. Wer will, kann sich im verzwickten Labyrinth von Bezeichnung und Bezeichnetem verirren. Oder einfach den subtilen Witz genießen.

Ceal Floyer gehört also unbedingt zu jener Gruppe internationaler Künstler, die in Berlin leben und die man unbedingt auch in Berlin mit einer Einzelausstellung sehen möchte. In den Kunst-Werken wird dieses Versprechen nun eingelöst. Vor einem Jahr war Ceal Floyer hier schon einmal zu Gast, als Teilnehmer der Gruppenausstellung „5 minutes later“. Die Arbeit „Taking a Line for a 5 Minute Walk“ bestand damals aus einer weißen Linie, die Floyer fünf Minuten lang mit einem Nassmarkierwagen quer durch die große Halle gezogen hatte. Für ihre neuen Arbeiten hat sie wahrscheinlich länger gebraucht. Christina Tilmann

KW Institute for Contemporary Art, So 23.8. bis So 18.10., Di-So 12-19, Do 12-21 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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