Zeitung Heute : Minus mal minus

Der Tagesspiegel

VON TAG ZU TAG

Von Andreas Conrad

Volkswirtschaftlich ging es selbst bei einem Bankräuberpärchen wie Bonnie und Clyde nur um Peanuts. Und auf dieser quasi nationalen Ebene muss man die Krise der Bankgesellschaft schon einordnen, denn bei einem so tiefen Finanzloch liegt offenkundig nicht bloß eine betriebswirtschaftliche Schlappe vor. Der eine oder andere mag nun meinen, Brecht habe in der „Dreigroschenoper“ doch Recht gehabt: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Eine rhetorische Frage, die mit einer parlamentarisch abgesegneten Landesbürgschaft beantwortet werden kann, aber nicht muss. Ja, mancher, der Mal für Mal auf das unheilsvolle Wörtchen „Soll“ auf dem Kontoausdruck blickt, wird sogar hoffen, dass das marode Finanzkonsortium über kurz oder lang doch noch den Bach runter geht. Müssten die eigenen Schulden damit nicht auch flöten gehen? Über so viel Naivität würde sogar Mackie Messer lachen. Und wir Berliner dürfen uns fragen, warum nicht der Oberste aller Bekenntnis-Berliner bemüht wurde, um als Heiliger Christophorus den Weg aus dem Finanzsumpf zu weisen: „Frage nicht, was deine Bank für dich tun kann – frage, was du für deine Bank tun kannst.“ Doch kein Kennedy steht bereit und bittet um die Kollekte, obwohl wir doch alle nur zu gerne bereit wären, die eigenen Schulden mit denen der Bankgesellschaft zu verrechnen. Betriebs- oder volkswirtschaftliche Einwände sollte man nicht gelten lassen und mit einer Grundregel aus dem Mathe-Unterricht kontern: Minus mal minus ergibt plus.

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