Zeitung Heute : Missbrauch an weiteren Jesuitenkollegs

Ordenschef in Berlin bittet um Entschuldigung

Berlin - Nicht nur am Berliner Canisius-Kolleg wurden Minderjährige sexuell missbraucht. Am Montag wurde sowohl in Hamburg als auch in St. Blasien im Schwarzwald Missbrauch, der vermutlich auch auf den für die Berliner Fälle geständigen Pater Wolfgang S. zurückzuführen ist, bestätigt. S. hat an der Hamburger Sankt-Ansgar-Schule und in St. Blasien gearbeitet. Er will dazu aber nichts mehr sagen. Der Chef des Jesuitenordens, Provinzial Stefan Dartmann, bestätigte am Montag in Berlin, dass sich bislang an allen drei Schulen insgesamt 25 Opfer gemeldet hätten. Dartman sagte: „Ich bitte um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauem Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde.“ Er schloss weitere Opfer nicht aus. Der Jesuitenchef sagte zudem, man gehe von „sexuellen Übergriffen, wohl aber nicht von schweren Missbrauch aus“. Dartmann wörtlich: „Wir können nicht entdecken, dass es zu Penetrationen oder Vergewaltigungen gekommen ist.“ Pater Wolfgang S. sei mehre Male in therapeutischer Behandlung gewesen.

Die Staatsanwaltschaft in Berlin teilte mit, dass eine strafrechtliche Verfolgung der Fälle am Canisius-Kolleg wohl nicht mehr möglich sei. Es gebe auch keine Anhaltspunkte für unterlassene Hilfeleistung, Strafvereitelung oder Verletzung der Fürsorgepflicht. Die Mediatorin des Ordens, Ursula Raue, sagte dem Tagesspiegel, dass es jetzt um eine ehrliche und substanzielle Entschuldigung gehe, die wirklich die Opfer meine. Der Direktor des Kollegs in St. Blasien, Pater Johannes Siebner, früher Schüler am Canisius-Kolleg, sagte dieser Zeitung: „Wir müssen davon ausgehen, dass es auch bei uns Fälle gegeben hat. Es steht mir aber nicht zu, Fälle konkret zu bestätigen, solange ich nicht die Einwilligung der Opfer habe.“ Pater Karl-Heinz Fischer, Leiter des Canisius-Kollegs von 1981 bis 1989 und 1994 bis 1996, sagte dem Tagesspiegel: „Ich bin nie auf die jetzt öffentlichen Missbrauchsfälle angesprochen worden.“ ale/clk/bi/hah

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben