Zeitung Heute : Missbrauch: Was wusste der Papst? Küng verweist auf Schreiben von 2001

Berlin - Der Schweizer Theologe Hans Küng hat Papst Benedikt XVI. vorgeworfen, wichtige Informationen über Missbrauchsfälle geheim gehalten zu haben. „Es gab in der ganzen katholischen Kirche keinen einzigen Mann, der so viel wusste über die Missbrauchsfälle, und zwar ex officio – von seinem Amt her“, sagte Küng im Schweizer Fernsehen. Der Kirchenkritiker bezieht sich auf eine Anweisung, die Joseph Ratzinger im Mai 2001 in seiner Funktion als Chef der Glaubenskongregation geschrieben hatte. In dem 2005 bekannt gewordenem Schreiben (siehe Foto) werden die kirchlichen Würdenträger angewiesen, alle Voruntersuchungen zu Missbrauchsfällen an Ratzinger weiterzuleiten. Die Untersuchungen sollten geheim bleiben. Vor diesem Hintergrund, sagte Küng, könne der Papst den Bischöfen mit seinem Hirtenbrief nicht „den Zeigefinger machen: Ihr habt das nicht genügend gemacht. Er selber hat die Instruktionen gegeben, als Chef der Glaubenskongregation und auch als Papst wieder neu“.

Der Pädagoge Hartmut von Hentig wehrt sich unterdessen gegen Verdächtigungen, wonach er in den Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule verstrickt sei und das Vorgehen des geständigen früheren Schulleiters Gerold Becker bagatellisiert oder geleugnet habe. Er werde mit dem Argument, er sei der Lebensgefährte des Hauptverdächtigen Becker, „in Sippenhaft“ genommen, schreibt von Hentig in einem Beitrag für die „Zeit“ und fragt: „Was habe ich damit zu tun?“. Die Anschuldigungen seien schwammig. Seine Person und sein Werk würden arglistig anhaltend verdächtigt.

Das Bundeskabinett setzte am Mittwoch den Runden Tisch zum Kindesmissbrauch ein und ernannte die SPD-Politikerin Christine Bergmann zur Regierungsbeauftragten für das Thema. mis

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