Zeitung Heute : Mission Auslandseinsatz

Die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist die höchste militärische Ausbildungsstätte in Deutschland. Hier wird der Führungsnachwuchs auf Aufgaben im In- und Ausland vorbereitet.

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Wer auf dem weitläufigen Kasernengelände nahe der Elbe im Seminarsaal sitzt, ist schon länger bei der Truppe und hat sich für eine Laufbahn als Berufssoldat entschieden, ist sozusagen Beamter auf Lebenszeit bei der Bundeswehr. Das heißt, er oder – in Zukunft immer häufiger – auch sie hat sich als Offiziersanwärter für mindestens zwölf Jahre verpflichtet, hat bereits einige Zeit Dienst hinter sich, danach ein Studium an einer der Hochschulen der Bundeswehr oder einer anderen Hochschule absolviert und hat sich dann entschlossen, nicht wieder ins zivile Berufsleben zurückzukehren.

Von den 2000 Offiziersanwärtern eines Jahrgangs wählen cirka 20 Prozent diesen Weg. Hinzu kommen noch einige Quereinsteiger, die sich als Hochschulabsolventen oder nach einigen Jahren im Beruf bei der Bundeswehr beworben haben. „Das sind zum Beispiel Mediziner, Juristen oder Absolventen bestimmter Ingenieursstudiengänge, die die Bundeswehr nicht an ihren eigenen Hochschulen ausbildet, deren Knowhow sie aber benötigt“, erläutert Stephan Peitsch, Dezernatsleiter Wehrdienstberatung im Zentrum für Nachwuchsgewinnung Ost in Berlin. Seiteneinsteiger bekommen eine verkürzte militärische Ausbildung und werden relativ schnell zum Berufssoldaten ernannt.

Pflicht für alle Berufssoldaten in der Offizierslaufbahn ist nach cirka neunjähriger Dienstzeit in der Truppe, für Späteinsteiger entsprechend früher, ein dreieinhalbmonatiger Stabsoffizierlehrgang in Hamburg. Er markiert den Übergang in eine höhere Führungsebene – vergleichbar mit dem Wechsel vom gehobenen in den höheren Dienst in der Beamtenlaufbahn. Der Lehrgang ist Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen und Prüfung in einem. Wer hier durch gute Leistungen und ein entsprechendes Eignungsprofil überzeugt, kann sich für eine bundeswehrinterne Eliteausbildung qualifizieren. Ungefähr zwölf Prozent jedes Jahrganges schaffen diesen Übergang in den „Lehrgang für den Generalstabs-/Admiralstabsdienst“, der auf Führungsaufgaben auf höchster Ebene vorbereitet.

Einer von ihnen ist Armin Schaus. Der 33-jährige Major hat sich gleich nach dem Abitur für eine Laufbahn als Offiziersanwärter entschieden und zunächst für zwölf Jahre verpflichtet. Nach der Grundausbildung durchlief er verschiedene Offizierslehrgänge und ein Studium zum Bauingenieur an der Universität der Bundeswehr in München, immer im Wechsel von Theorie und Praxis. „Auf diese Weise wird man gut auf die immer größer werdende Verantwortung vorbereitet“ erklärt er.

Während eines Auslandseinsatzes im Kosovo 1999 erfolgte die Ernennung zum Berufssoldaten. Für Schaus eine konsequente Entscheidung: „Dieser Einsatz war für mich ein gutes Beispiel für sinnvolles Dienen.“ Seine Truppe hatte damals nicht nur den Auftrag, die serbische Minderheit zu schützen, sondern half auch, die vom Krieg zerstörten Häuser winterfest zu machen und den Wiederaufbau einzuleiten. Auch bei einem zweiten Einsatz im Kosovo, 2001 als Batteriechef mit Verantwortung für 170 Soldaten, konnte Schaus auf diese Weise nicht nur sein militärisches Wissen, sondern auch sein ziviles Know-how als Bauingenieur einbringen.

Für den 33-jährigen ist der Generalstabs-/ Admiralstabsdienstlehrgang eine gute Vorbereitung auf weitere Einsätze. Er und seine Kameraden aus Heer, Luftwaffe und Marine die sich hier gemeinsam fortbilden, sollen später im Rahmen der Bundeswehr international arbeiten. Sie werden in ihren weiteren Verwendungen im Rahmen von UNO, NATO und EU-Einsätzen höhere Leitungsfunktionen übernehmen und in nationalen und multinationalen Kommandostäben, zum Beispiel im Verteidigungsministerium mitarbeiten. In Zukunft soll jeder Offizier der Bundeswehr im Laufe seiner Dienstzeit immer wieder für einige Zeit zwischen Einsätzen überall in Deutschland und in Krisenherden weltweit auf das idyllische Kasernengelände an der Elbe zurückkehren und sich mit Lehrgängen und Kursen weiterqualifizieren.

Mehr zum Thema unter:

www.bundeswehr-karriere.de

www.fueakbw.de

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