Zeitung Heute : Mit 100 Mark Einsatz auf das Ergebnis 900 Mark gewinnen - mehr Spaß an der Politik

Markus Ehrenberg

Wie wirken sich die Ergebnisse der Brandenburg-Wahl auf die Wahlbörsen im Internet aus? Lassen sich die Online-Spekulanten vom SPD-Desaster in ihren Kaufentscheidungen beeinflussen? Es geht um Stimmungen und Prognosen, und die sind ein wages Gut. Wahlumfragen der Meinungsforschungsinstitute laufen täglich über den Ticker. Die Stimmungs- und Schwankungsbreiten sind da recht hoch. Genauer sind die virtuellen Wahlbörsen, wie Wahl$treet, ein Gemeinschaftsprojekt der Zeit und des Tagesspiegels, mit dem man zur Berlin-Wahl im Internet gewinnen und verlieren kann.



Wie kann eine Börsen-Prognose so genau sein wie ein wissenschaftliches Institut?

Ganz einfach, Online-Börsianer handeln nicht mit dem von ihnen gewünschten Wahlausgang (wie zum Beispiel Bürger bei der Sonntagsfrage auf der Straße) - Online-Börsianer wollen ja am Ende selber gewinnen, entscheiden aus Gewinnsucht viel rationaler beim Kauf und Verkauf von Parteien-Aktien. Welcher SPD-Anhänger möchte schon aus Solidarität an der Börse verlieren, nur weil es seiner Partei gerade so schlecht geht? Dementsprechend gibt der aktuelle Parteien-Kurs unter www.wahlstreet.de eine ziemlich realistische Prognose zur Berlin-Wahl am 10. Oktober wieder (mit den 15 Prozentpunkten Vorsprung für die CDU, siehe Kasten).



Wie funktioniert die Online-Börse?

668 Händler sind zur Zeit auf der Website von Wahl$treet.de angemeldet. Sie haben Optionsscheine auf den Wahlausgang - mit ihrem "echten" Bankkonto - erworben und können sie zu jeder Zeit wieder verkaufen. Die Preise der virtuellen Parteien-Aktien ergeben sich, wie an der echten Börse auch, durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Und wie an der Börse können auch hier die Parteien-Aktien leicht überbewertet sein. Addiert ergeben die Werte zumeist leicht über 100 Prozent.



Gibt es Anlagetipps?

Wer sein Anlagerisiko streuen möchte, kauft ein Aktienbündel, das das gesamte Parteinspektrum umfasst. Der Höchsteinsatz beträgt 100 Mark. Wer glaubt, Walter Momper und die Berliner SPD sind am Wahlsonntag in 29 Tagen für 40 Prozent gut, sollte jetzt alles auf virtuelle SPD-Aktien setzen. Die sind günstig zu haben, liegen nur bei knapp 23 Prozent. Am Wahlabend, wenn das reale Ergebnis feststeht, wird das Geld unter allen Teilnehmern ausgeschüttet.



Wer mit 100 Mark bei der Wahlbörse gespielt hat, könnte dann immerhin 900 Mark mit der Berlin-Wahl gewonnen haben. Wie Mister X (der Name wurde anonymisiert), der zur Zeit pfiffigste Wahl$treet-Börsianer, dessen Rendite am Freitag mittag bei 831 Prozent lag.

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