Zeitung Heute : Mit Absicht kaufen

Maren Peters

Der Konsumklimaindex ist erneut gestiegen, die Absicht der Verbraucher, größere Anschaffungen zu tätigen, so groß wie nie. Bedeutet das, dass der Aufschwung jetzt auch den Handel erreicht hat?


Die deutschen Verbraucher sind wieder in Kauflaune. Ihre Bereitschaft, größere Anschaffungen zu planen, war im Mai so hoch wie noch nie, haben die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung gerade ermittelt. Und die Konsumenten scheinen es ernst zu meinen mit ihrem Vorhaben, mehr Geld auszugeben. „Wir verspüren ein verstärktes Konsuminteresse“, sagt Jörg Howe, der Sprecher des Einzelhandelskonzerns Karstadt-Quelle. Bei Unterhaltungselektronik, bei weißer Ware wie Kühlschränken, Spülmaschinen und Waschmaschinen sowie bei Parfum und Schmuck griffen Verbraucher wieder zu, sagt Howe.

Vor allem die Unterhaltungselektronikbranche hat seit Jahresbeginn deutlich mehr Geräte verkauft als im Vorjahr. Im ersten Quartal stieg der Gesamtumsatz mit Fernsehgeräten, MP3-Playern und Spielekonsolen um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, berichtet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU). Vor der Fußball-WM ist der Absatz von Fernsehern, vor allem solchen mit den neuen, flachen LCD- oder Plasma-Bildschirmen, gestiegen. Für diese Geräte haben die Verbraucher im Schnitt sogar ein Drittel mehr ausgegeben als im vergangenen Jahr. „Fußball ist immer für eine Umsatzsteigerung gut. Wenn die WM im eigenen Land stattfindet, dann umso mehr“, sagt GFU-Sprecher Roland Stehle.

„Wir haben eine ganze Reihe von Gründen, optimistisch auf das Jahr 2006 zu blicken“, hatte der GFU-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Hecker bereits zu Jahresbeginn prognostiziert. Grund für den Optimismus ist neben der Fußball-WM auch die für 2007 angekündige Mehrwertsteuererhöhung, die viele Konsumenten dazu bewegen könnte, geplante Käufe vorzuziehen. Die Erwartungen sind hoch. „90 Prozent der Haushalte haben noch alte Röhrengeräte“, sagt GFU-Sprecher Stehle. „Da gibt es noch viel Austauschpotenzial.“

Auch die Verkäufer von Waschmaschinen, Staubsaugern und Kühlschränken haben Grund, zufrieden zu sein. Das Geschäft des deutschen Marktführers Bosch und Siemens Hausgeräte ist nach eigenen Angaben im ersten Quartal zweistellig gewachsen, auch Weltmarktführer Electrolux steigerte den Umsatz zweistellig. Zum ersten Mal seit Jahren stieg auch der Absatz in Deutschland wieder. Hier hatten die Hersteller in den vergangenen Jahre wenig Grund zur Freude gehabt.

Der Einzelhandel insgesamt, zu dem auch der Lebensmitteleinzelhandel zählt, sieht immerhin zarte Ansätze für einen Stimmungsumschwung in den Läden. „Wir gehen davon aus, dass sich die Lage im April etwas gebessert hat“, sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes werden am Mittwoch vorgelegt. 2007 könnte es mit der Kauflust schon wieder vorbei sein. „Steigende Belastungen wie die Mehrwertsteuererhöhung werden den Konsum dämpfen“, befürchtet Pellengahr.

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