Zeitung Heute : Mit aller Macht – und allen Mächten

Der Tagesspiegel

Kaum hat George W. Bush geredet, da wächst die Hoffnung auf eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern. Die EU-Delegation dagegen durfte erst gar nicht mit Arafat sprechen. Ein Beleg für die alte These, dass man sich einen Nahost-Frieden im Grunde nur als „pax americana“ vorstellen kann? Ohne die USA, so viel ist sicher, geht nichts. Aber reicht Amerikas Einfluss alleine aus, um einen Kompromiss zu erzielen? Da sind in der jüngsten Zeit doch Zweifel gewachsen. Nicht einmal die bescheidenen Versuche, auch nur eine Waffenruhe herbeizuverhandeln, waren von Erfolg gekrönt. In diesem komplexen Konflikt gibt es zu viele Mitspieler, die hoffnungsvolle Ansätze torpedieren können und nicht auf die USA hören. Aber einige vielleicht auf Europa, dessen Einfluss dank des unermüdlichen Einsatzes Javier Solanas ein klein wenig gewachsen ist. Und andere auf Russland. Oder auf die UN. Wer nicht nur Bushs Rede, sondern auch die Reaktionen studiert, wird feststellen, wie eng sich die USA, die EU, Russland und die UN bei der Wortwahl und dem Vorgehen abstimmen. Womöglich ist das die Geburt einer Nahost-Kontaktgruppe – nach dem Vorbild des Balkan. Auch dort bekam der Frieden erst eine Chance, als die Mächte mit Einfluss in der Region mit einer Stimme sprachen und gemeinsam Druck ausübten. cvm

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