Zeitung Heute : Mit dem  Ballonkatheter Stoff geben

Neue Methode zur Dehnung der Gefäße entwickelt

Harald Olkus

Die Arteriosklerose gehört zu den weit verbreiteten Krankheiten in Deutschland. Rund zweieinhalb Millionen Menschen leiden in Deutschland an Gefäßverengungen der Beine und etwa 300 000 Menschen erleiden jährlich einen Herzinfarkt. Ursache ist meist eine Verengung der Blutgefäße auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Durchmessers – aufgrund von Ablagerungen an der Gefäßwand, die zum Verschluss führen können. Die Folge ist eine unzureichende Versorgung der Organe oder der Extremitäten mit sauerstoffreichem Blut.

Für die Therapie der Gefäßverengungen ist die Dehnungsbehandlung von Gefäßen ein weit verbreitetes Verfahren und eine sehr gute Alternative zur Bypassoperation. Ein zehn bis 15 Zentimeter langer Ballonkatheter wird in die verengte Arterie eingeführt und dort aufgepumpt. Dabei wird das Blutgefäß auf seine normale Weite gedehnt und der Durchfluss wieder gewährleistet. Problematisch ist jedoch, dass sich das Gefäß bei etwa jedem zweiten Patienten innerhalb von zwei Jahren wieder verengt.

Denn der hohe Druck, der durch den Ballonkatheter auf die Gefäßwand ausgeübt wird, verletzt das Gewebe bei dem Eingriff. An der behandelten Stelle bilden sich Risse, wodurch ein Narbengewebe entstehen kann. Auch das Einbringen von Metallgeflechten, die das Wiederverschließen der Arterien verhindern sollen, hat sich als nicht ganz unproblematisch erwiesen, da es nicht unbegrenzt oft wiederholt werden kann.

Ulrich Speck vom Institut für Experimentelle Radiologie der Charité hat nun ein neues Verfahren entwickelt, das sehr erfolgreich eine Narbenbildung und damit eine erneute Verengung der Arterien verhindert. „Die Methode ist eigentlich recht einfach, da wir ebenfalls einen Ballonkatheter verwenden sowie einen Arzneistoff, der schon seit 15 Jahren im Handel ist“, sagt Speck.

Die Forscher haben die Katheter mit einer Kunststofffolie umwickelt, in dessen Falten sich der Wirkstoff Paclitaxel befindet. Durch das Aufpumpen des Katheters an der zu behandelnden Stelle wird der Wirkstoff freigesetzt. Das Gewebe kommt nur für eine sehr kurze Zeit mit dem Medikament in Berührung. Der überraschende klinische Befund zeigt, dass damit eine erheblich bessere Langzeitwirkung erreicht wird als mit anderen Methoden. „Bereits in sehr niedriger lokaler Dosierung wird eine Narbenwucherung verhindert“, sagt Speck. In Alternativversuchen, die mit einer allmählichen Abgabe des Wirkstoffs über eine länger Zeit hinweg arbeiten, wurde ein geringerer Erfolg erzielt.

„Der relativ sanfte Eingriff, der häufig wiederholbar ist – bei gleichzeitig großen Erfolgsaussichten – lässt uns hoffen, das damit gerade schwer behandelbare Patenten zu therapieren sind“, sagt der Forscher. In vielen Fällen konnten mit dem Verfahren bereits sogar verschlossene Blutgefäße wieder regeneriert werden. „Die neue Methode kommt somit auch bei komplexeren Befunden in Frage, bei denen wir bislang eher zur Operation geraten hätten.“ Nebenwirkungen seien bei der neuen Behandlung nicht zu befürchten, da die Dosis sehr niedrig ist und lokal begrenzt freigesetzt wird.

Die Jury des Innovationspreises bewertet den arzneimittelbeschichteten Ballonkatheter als effizientes Verfahren – und als sehr preiswürdig. Die Behandlung könne als einmalige Therapie ausreichend sein, sei schnell und entfalte dennoch eine dauerhafte Wirkung. Damit könne die Arteriosklerose-Behandlung verkürzt und kostengünstiger gestaltet werden. Harald Olkus

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