Zeitung Heute : Mit dem Erfolg wachsen Wer Innovationen etablieren will, denkt weiter

Klaus Grimberg

Nicht jeder visionäre Naturwissenschaftler ist gleichzeitig ein begnadeter Betriebswirtschafter. Und nicht jeder pfiffige Erfinder zugleich ein kundiger Marketingfachmann. Oftmals wollen Wissenschaftler oder Tüftler mit diesen Aspekten einer Unternehmensgründung auch gar nichts zu tun haben. „Genau an diesem Punkt setzt professionelle Beratung ein: Etwa mit der Anregung, Gleichgesinnte mit komplementärem Expertenwissen zu suchen und mit ihnen ein breit aufgestelltes Team zu bilden“, sagt Edmund Mästele, Geschäftsführer der SpiceCon Management GmbH. Er gehört zum Pool der externen Berater im Programm „Coaching BONUS“ der Investitionsbank Berlin, mit dem Existenzgründer fachlich fundiert auf ihre Selbstständigkeit vorbereitet werden.

Aus langjähriger Erfahrung weiß Mästele, dass sich die eigentlichen Schöpfer einer Innovation nicht selten in den Details der Betriebsführung verschleißen. „Ich empfehle jedem, im Zentrum der eigenen Kreativität aktiv zu sein und ansonsten optimale Unterstützung an Bord zu holen“, so Mästele. Seine Beratung sieht er als begleitenden „Handlauf“ für junge Gründerinnen und Gründer, um Fallen und Risiken bereits im Vorfeld zu erkennen und richtig einzuschätzen. Zu groß sei ansonsten die Gefahr des bösen Erwachens in der Praxis.

Ganz ähnlich versteht Christian Kapteyn sein Engagement bei Coaching BONUS. Auch er hat seine eigene Consulting-Firma, darüber hinaus war er über mehrere Jahre als Gründer und Geschäftsführer des privaten Carsharing-Unternehmens „Nachbarschaftsauto“ aktiv. Die dort gesammelten Erfahrungen gibt er nun an junge Gründer weiter. Sein Credo: Eine intelligente Software, ein praktischer Gebrauchsgegenstand oder ein innovatives Verfahren verkaufen sich nicht von selbst. „Gerade im wissenschaftlichen Umfeld wird der Wert und die Bedeutung von gezieltem Marketing oft unterschätzt“, so Kapteyn. Er sieht seine Aufgabe darin, „enthusiastische Aufbruchsstimmung“ und „unternehmerische Naivität“ auszubalancieren.

Gerade mit Blick auf einen möglichst umfassenden Businessplan ist es wichtig, essentielle Fragen sehr früh zu stellen: Welche Chancen hat ein Produkt am Markt? Wie steht es um Produkthaftungen, wie um Musterschutz oder Patentanmeldungen? In welcher Relation stehen erwartete Ausgaben und Einnahmen? Welche Probleme könnten auftauchen? Nicht nur im Gründerteam, auch in der Zusammenarbeit mit potenziellen Geldgebern plädiert Kapteyn für größtmögliche Offenheit und Transparenz: „Gute Kommunikation ist der Schlüssel zur erfolgreichen Vermarktung einer Innovation.“ Natürlich solle ein Gründer seine Geschäftsidee optimistisch und begeisternd präsentieren, aber dennoch Interessen und Absichten klar und sachlich korrekt darstellen.

Ebenso entscheidend ist der permanente Kommunikationsfluss mit den Kunden. Wenn es einem jungen Unternehmen gelingt, sich mit seiner Innovation am Markt zu etablieren, dann sei es wichtig, den intensiven Austausch zu suchen, so Edmund Mästele. „Je mehr Kenntnisse ich erwerbe, wo der Kunde spezifische Probleme hat, desto mehr kann ich mein unternehmerisches Handeln auf diese Anforderungen ausrichten. Soll heißen: Eine konkrete Dienstleistung, ein spezielles Computertool, ein klar definiertes Technikteil wird zum Baustein einer integrierten Wertschöpfungskette.“ Wer dem Kunden das Anliegen des gemeinschaftlichen Erfolgs vermittle, der brauche sich in der Regel bei Preisverhandlungen kaum Sorgen zu machen.

Wenn ein Start-up sich durchsetzt, dann wächst es mitunter sehr schnell. Aus einem kleinen Team von Gründern kann binnen weniger Jahre oder gar Monate eine Belegschaft von immer mehr Mitarbeitern werden. Um dem Unternehmen auch dann langfristig seine Innovationskraft zu sichern, brauche es, wie Christian Kapteyn es ausdrückt, „vor allem den würdigenden Umgang mit Personen“. Nur wenn sich alle beteiligten Personen bei Problemen angemessen einbezogen fühlten, werde ein Unternehmen auf lange Sicht Bestand haben. Klaus Grimberg

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