Zeitung Heute : Mit dem International Board Perspektiven von außen bekommen

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Christoph Badelt zur neu gegründeten Kommission der Freien Universität Berlin

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Internationalität hat an der Freien Universität Berlin Tradition. Die mit internationaler Hilfe erfolgte Gründung 1948 war der Startschuss für eine enge und ständig intensivierte Zusammenarbeit mit Partnern in aller Welt. Seit ihrem Beginn orientiert sich die Freie Universität dabei an den international führenden Universitäten. Kooperationsabkommen mit Hochschulen auf allen Kontinenten sind die logische Folge. Heute zählt die Freie Universität selbst zu den führenden Hochschulen. Im Rahmen der Exzellenz-Initiative, dem nationalen Wettbewerb um zusätzliche Fördermittel, nutzt die Freie Universität nun ein weiteres Mal den Rat internationaler Experten. Ein International Board wurde gegründet. Heute und in den folgenden Ausgaben stellen wir die Mitglieder dieses Gremiums vor. Wir beginnen mit einem Gespräch mit Professor Christoph Badelt, dem Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Das Interview führte Ulrike Seiler.

Herr Professor Badelt, wie bewerten Sie das neu gegründete International Board der Freien Universität?

Ich halte es für ganz wichtig, dass eine Universität, die sich nach vorne entwickeln will, solch ein International Board hat, um Perspektiven von außen zu bekommen. Sowohl in nationaler Sicht als auch in fachlicher Perspektive.

Welche besondere Herausforderung sehen Sie in der Teilnahme an diesem Expertengremium?

Die Freie Universität ist zweifelsohne eine der angesehensten Universitäten in Deutschland. Aufgrund der Tatsache, dass die Situation in Berlin nicht einfach ist und es dort vier angesehene Universitäten gibt, ist Profilbildung und Weiterentwicklung von besonderer Bedeutung. Das empfinde ich als große Herausforderung.

Die Kommission verfügt mit Ihnen über ein besonders profiliertes Mitglied. Wie wird sich Ihre Aufgabe gestalten?

Meine persönliche Rolle wird durch meinen fachlichen Zugang abgeleitet. Ich bin Ökonom und kann deshalb eher zu meiner eigenen Wissenschaft etwas sagen. Zum anderen ist es für die Freie Universität nicht uninteressant, eine österreichische Erfahrung hinein zu bekommen. Wir sind im Bereich Universitätsreformen Schritte gegangen, die in Deutschland vielfach als vorbildlich und zukunftsweisend angesehen werden.

An welche Reformen denken Sie im Besonderen?

Die österreichischen Universitäten sind mit Wirkung vom 1. Januar 2004 weitgehend autonom geworden. Das bedeutet, dass wir juristisch weitgehend selbstständig sind, dass wir ein Global-Budget bekommen. Wir stellen unser eigenes Personal an, schließen mit dem zuständigen Ministerium eine Leistungsvereinbarung ab und können in der konkreten Form der Erreichung der Ziele nach einem eigens bestimmten Entwicklungsplan vorgehen.

Welche der Reformen sind empfehlenswert und sollten im deutschen Hochschulsystem übernommen werden?

Ich glaube, dass wir mit der Verstärkung der Entscheidungsrechte der Universitäten gegenüber dem staatlichen Einfluss einen wichtigen Schritt gegangen sind, damit die Universitäten besser werden. Ich maße mir aber nicht an, ein Modell eins zu eins auf ein anderes Land übertragen zu wollen, sondern ich biete mich gerne an, über die Erfahrungen zu berichten. Dann müssen die politischen Entscheidungsträger in Deutschland wissen, was sie mit diesen Erfahrungen anfangen.

Sie sind Rektor der Wirtschaftuniversität Wien ...

Die Wirtschaftsuniversität Wien ist die größte wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungsstätte in der Europäischen Union. Wir haben an die 21 000 Studierende, die im Wesentlichen in den unterschiedlichsten Facetten der Wirtschaftswissenschaften ausgebildet werden. Für österreichische Verhältnisse haben wir einen sehr hohen Anteil an Internationalisierung – mehr als 20 Prozent ausländische Studierende. Unsere Absolventen sind während des Studiums fast zu 50 Prozent im Ausland gewesen.

Stichwort Internationalisierung: In Deutschland werden sukzessive Studiengebühren eingeführt. Glauben Sie, dass es – dadurch bedingt – einen Ansturm deutscher Studierender auf österreichische Universitäten geben wird?

Wir haben in manchen Fächern den Run schon in diesem Jahr. Aber nicht wegen der Studienbeiträge, die es in Österreich ja auch gibt, sondern wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs. Der österreichische Gesetzgeber wurde verurteilt, dass er alle EU-Bürger genauso behandeln muss wie die Österreicher. Und wir haben hier in Österreich den freien Hochschulzugang. Das ist eine ganz andere Situation als in Deutschland. Einen Ansturm aufgrund der möglichen Einführung von Studiengebühren in manchen deutschen Bundesländern als isoliertes Problem sehe ich nicht.

Herr Badelt, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute.

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