Zeitung Heute : Mit dem neuen Wirtschaftstitel will Springer Börseninteressierten Insider-Infos liefern

Ulrike Simon

Was hat der Donnerstag nur an sich, dass ihn die Verlagsleute so lieben? Ob "Bunte", ob "Gala", ob "Stern", ob "Wirtschaftswoche". Alle kommen sie am Donnerstag druckfrisch an den Kiosk. Liegt es an den Inhalten, die Verlage dazu bringen zu glauben, sie am Donnerstag besser verkaufen zu können als an einem Montag, dem ersten Werktag der Woche, der traditionell der Information gehört und damit "Spiegel" und "Focus"? Ein anderes Beispiel sind die Programmzeitschriften, die zum überwiegenden Teil am Freitag neu im Regal liegen. Warum setzen sich inhaltsähnliche Zeitschriften am Kiosk der direkten Konkurrenz aus?

Augenfällig ist derzeit der Donnerstag, an dem sich die Masse der alten und neuen Wirtschaftstitel, von "Capital" über "Börse Online" und "Focus Money" bis hin zur "Telebörse", im Regal drängeln wie die Öl-Sardinen. Und nun auch das wöchentliche "Aktien Research" vom Axel Springer Verlag, das heute für vier Mark erstmals zu kaufen ist.

Bei "Focus Money" sagte Helmut Markwort, jetzt habe "Focus" die Möglichkeit, gleich an zwei Tagen in der Woche Exklusives zu berichten. Einmal montags und einmal donnerstags. Durchaus ein Argument. Doch verlagsübergreifend werden, rein mengenmäßig, für den Erscheinungstermin Donnerstag doppelt so viele Titel ausgeliefert wie an einem gewöhnlichen Werktag. Überladene Dreieinhalb-Tonner fahren mit Donnerstagsmagazinen durch die Straßen, während es für dienstags halb beladene EinTonner sind, weiß Werner Schiessl, frisch gekürter Präsident des Grossistenverbandes. "Wie ein tibetanischer Mönch" wandere er durch die Verlage, um den Dienstag (traditionell der Tag der Romane, Rätsel und Strickhefte) anzupreisen. "Landet am Dienstag einen Knaller, und das Feld gehört Euch allein", lautet sein Appell an die Verleger. Seine Argumente leuchten ein: Wer am Donnerstag neben seinem üblichen Kleinkram, den man sich beim Kiosk besorgt, mehrere druckfrische Zeitschriften kauft, muss schnell viel Geld hinblättern und trifft daher oft nur eine Auswahl. Vorteilhafter wäre es daher, den Zeitschriftenkäufer über die Woche verteilt an mehreren Tagen in den Kiosk zu locken.

Doch der Überzeugung der Pressehändler zu folgen, ist den Verlagen zu riskant. "Wir haben sehr lange dieses Thema diskutiert. Aber der Donnerstag ist für die Zielgruppe von Wirtschaftsmagazinen nun mal ein geübter Tag", sagt Aktien Research-Chefredakteur Stephan Schlote. Letztlich wolle man Käufer von Konkurrenztiteln wie "Börse Online", "Telebörse" und "Focus Money" nicht mit einem zwei Tage alten "Aktien Research" enttäuschen. Vielmehr hoffe man auf den Mitnahmeeffekt. Wer am Donnerstag ins Kiosk geht, um "Börse Online" zu kaufen, soll statt dessen mit "Aktien Research" unterm Arm herauskommen - oder wenigstens mit beiden Magazinen zugleich. Darüber hinaus gibt es weitere Argumente, die für den Donnerstag sprechen. So haben Untersuchungen gezeigt, dass an diesem Tag für viele bereits das Wochenende beginnt. Freitags seien die Leute nicht mehr zu erreichen, so Schiessl. Zwar seien sie an diesem Tag finanziell in Geberlaune. Das beziehe sich aber auf Freizeitaktivitäten, nicht auf den Zeitschriftenkauf. Die Ausnahme ist die Programmpresse, um am Wochenende fernzusehen. Attraktiv erscheint nur noch der Sonntag als Tag der Muße und des Lesens. Doch den hat sich Springer allein reserviert, indem sich der Verlag für seine Sonntagszeitungen die entsprechende Logistik aufgebaut hat, Haushalte direkt zu beliefern. Für andere Verlage wäre die Lösung dieses Versandproblems am Sonntag zu kostspielig. Ändern kann sich das erst, wenn die Ladenöffnungszeiten soweit liberalisiert sind, dass auch am Wochenende die Türen offen stehen.

Bis dahin werden die Händler weiter murren über die Berge von Zeitschriften, die sie aus- und in die Regale einpacken müssen. Und die Käufer stehen weiterhin hilflos suchend vor den geschuppt aneinander gereihten Titelbildern, die kaum den Blick auf die Logos preisgeben. Und kommt der Käufer auch noch mit speziellen Wünschen, trifft er oftmals auf überforderte Händler, die im Wust der Zeitschriften den Überblick verloren haben.

Dennoch funktioniert der Donnerstag für Wirtschaftstitel, dessen ist sich auch Springer mit seinem Neuling "Aktien Research" sicher. Den Beweis liefern derzeit alle, ob etablierte, ob neu erschienene Titel. Die Käufer greifen zu, bei etablierten Titeln steigen die Auflagen, bei neuen erreichen sie auf Anhieb die gewünschte Flughöhe. Und auch die Zeitungen können nicht klagen. Insbesondere für das "Handelsblatt" scheint die Einführung von "Financial Times Deutschland" wie ein Weckruf gewirkt zu haben. Umsatz und Auflage des modernisierten Düsseldorfer Wirtschaftsblattes entwickeln sich besser denn je.

Nun also will auch "Aktien Research" sein Publikum finden. Das Rezept "Profianalysen für Privatanleger", so der Untertitel, soll 30- bis 60-Jährige locken. Für sie bereitet die 40-Mann-Redaktion Analystenreports führender Banken und Investmenthäuser allgemein verständlich auf und gibt zudem Aktienempfehlungen und Markteinschätzungen. Nach der Übernahme des Münchner Finanzen-Verlages und der Schweizer "Handelszeitung" sowie der Gründung von "Euro am Sonntag" hat der Verlag mit "Aktien Research" sein Wirtschaftsportfolio weiter ausgebaut. Wie bei "Euro am Sonntag" gibt sich der Verlag auch bei seinem neuen Blatt bescheiden. Zwar wurde die Druckauflage von ursprünglich 75 000 geplanten Exemplaren auf 200 000 erhöht. Mit 50 000 verkauften Heften, so der Verlag, seien die Erwartungen jedoch bereits erfüllt.

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