Zeitung Heute : Mit den Alten rechnen

Die außerplanmäßige Rentenerhöhung ist von der Opposition im Bundestag scharf kritisiert worden. Welche Bedeutung haben Rentner für Wirtschaft und Politik?

F. Leber D. Rosenfeld

Rund 20 Millionen Rentner leben in Deutschland. Nach der geltenden Rentenformel wären ihre Altersbezüge in diesem Jahr nur um 0,5 Prozent erhöht worden – jetzt sollen daraus 1,1 Prozent werden. Ein Jahr vor der Bundestagswahl fürchtete die Bundesregierung offenbar den Unmut der älteren Generation. Und das nicht ganz zu Unrecht: Denn als Wählergruppe sind die Rentner schon jetzt wichtiger denn je – und ihre Bedeutung wird mit dem demografischen Wandel weiter zunehmen. 33 Prozent der Wahlberechtigten bei der letzten Bundestagswahl waren älter als 60 Jahre. In 20 Jahren werden es mehr als 40 Prozent sein.

Im Jahr 2050 wird die Zahl der 60-Jährigen mit gut einer Million doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen. Zum Vergleich: 2005 gab es fast genauso viele Neugeborene wie 60-Jährige. Die Zahl der 80-Jährigen und Älteren wird sich bis 2050 mit zehn Millionen sogar nahezu verdreifacht haben und damit den am schnellsten wachsenden Bevölkerungsteil stellen.

Hinzu kommt, dass die Wahlbeteiligung unter den älteren Deutschen deutlich höher ist als in allen anderen Altersgruppen. „Im Grunde genommen sind die älteren Mitbürger seit Jahren die tragende Säule der Wahlbeteiligung“, heißt es dazu in der Repräsentativen Wahlstatistik 2005 des Statistischen Bundesamts. In der Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren machten 84,6 Prozent von ihrem Stimmrecht Gebrauch, bei den 20- bis 25-Jährigen waren es nur 65,4 Prozent. Aus der Statistik erklärt sich vielleicht auch, warum die beiden großen Volksparteien für die Rentenerhöhung eingetreten sind, während sie von FDP und Grünen gestern im Bundestag kritisiert wurde. 77,4 Prozent der Wähler über 60 Jahren stimmten für Union oder SPD, bei den 25- bis 35-Jährigen waren es dagegen nur 63,2 Prozent. Noch dramatischer entwickelt sich die Zusammensetzung der Parteien. Während 1990 nur 30 Prozent der CDU-Mitglieder älter als 60 waren, sind es inzwischen schon 48 Prozent, bei der SPD ergibt sich fast dasselbe Bild.

Aber nicht nur für die Politik, auch aus Sicht der Wirtschaft werden die älteren Deutschen immer wichtiger. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat ermittelt, dass die Generation der über 60-Jährigen über eine Kaufkraft von 316 Milliarden Euro verfügt. Das bedeutet, dass bereits jeder dritte Euro des privaten Konsums von älteren Kunden ausgegeben wird. Bis 2050 wird dieser Anteil auf mehr als 40 Prozent steigen.

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