Zeitung Heute : Mit den Füßen entscheiden

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sommerzeit, Clubflaute-Zeit: Letztes Wochenende machte sie sich wieder bemerkbar, die hitzebedingte Besucher-Ebbe, mit der sich die Berliner Clubs jeden Sommer herumschlagen müssen. Freitag im Fun im Kino International zum Beispiel sah man nur ein paar verstreute Grüppchen und einen leeren Tanzboden – trotz DJ Kaos auf dem Programm. Ähnliches Samstag im Watergate: Nur mäßige Fülle. Und das, obwohl der Club den großen Tanzboden vor kurzem verändert hat und aus dem ungemütlich wirkenden Raum jetzt ein richtig kuscheliger Ort geworden ist, auf dem Tanzen wieder Spaß macht. Aber das nutzt alles nichts, bei den Temperaturen möchte niemand drinnen feiern, und es gibt wohl nichts, womit Partygänger in diesen ersten Sommertagen in die Clubs zu locken wären.

Außer, man hat einen Freiluft-Bereich zu bieten. Das WMF im Café Moskau konnte am vergangenen Wochenende richtig auftrumpfen. Vor kurzem eröffnete der Club seinen Innenhof, und damit eine der derzeit attraktivsten Open-Air-Bars der Stadt. Man kann zwischen verschwitzter Tanzfläche im Untergeschoss und Freiluft-Erfrischung pendeln. Schade nur, dass, im Gegensatz zu den beiden letzten WMFs, im Café-Moskau-Hof wegen der Anwohner, keine laute Musik gespielt werden darf und auch Tanzen ist nicht erlaubt.

Aber zum Glück gibt es auch diesen Sommer wieder das Yaam in Treptow. Da geht unter offenem Himmel schlichtweg alles. Das zeigte sich vor allem vor zwei Wochen, als die Berliner Reggae-Helden Seed dort einen Geheimauftritt gaben. Um sechs Uhr nachmittags wurde niemand mehr auf das Yaam-Gelände gelassen – man konnte das Konzert aber zum Glück auch vor dem großen Eisentor genießen und auf der Strauße tanzen, ohne dass sich irgend jemand beschwerte.

Das Yaam feiert in diesem Sommer übrigens zehnjähriges Bestehen. Anfangs noch ein Geheimtipp für Liebhaber von Reggae- und Dancehall-Musik, hat sich der Sonntags-Club mit herrlichem Spreeblick zur festen Institution und zum perfekten Ort für den sommerlichen Wochenendausklang entwickelt. Hier treffen sich viele DJs zum Plausch, können Kinder zwischen riesigen Bassboxen herumturnen, man kann in Sonnenstühlen liegen und den Nachmittag verrauchen, oder original jamaikanisches „Jerk-Chicken“ genießen, das in einem alten Ölfass über Kohlen zubereitet wird.

Kommenden Sonntag schließt das Yaam wie immer um 22 Uhr, an diesem Pfingstwochenende können Sie aber direkt vom Yaam ins Tempodrom pilgern und weiterfeiern, denn dort gibt es die ganze Nacht lang auf mehreren Tanzböden ein großen Clash der Sound-Systems. Das heißt, unterschiedliche DJ-Gruppen legen um die Wette Platten auf – und das Publikum entscheidet mit den Füssen, wer die besten sind. Leider nicht Open Air, aber auf alle Fälle werden Deutschland’s beste Reggae- und Dancehall-DJs zu hören sein: Silly Walks, Such A Sound und Super Sonic, um nur die bekanntesten zu nennen. Entscheiden Sie mit!

Lange Nacht der Sound Systems, Tempodrom am Anhalter Bahnhof, Möckernstraße 10, Kreuzberg, Sonntag, ab 22Uhr.

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