Zeitung Heute : Mit den Wirtschaftsbossen diskutieren

Beim Humboldt-Forum fragen Studierende nach neuen Regeln im Zusammenspiel von Markt und Staat

Rolf Moormann

„Wirtschaft und Politik sind ewige Kontrahenten! Sie werden sich immer um die eigentliche Macht streiten und den anderen verdrängen wollen.“ – „Du übertreibst vollkommen! Der Markt ist auf den Staat doch ebenso angewiesen wie umgekehrt.“ Montag, 19 Uhr, etwa dreißig Studierende des Humboldt-Forums Wirtschaft (HUFW) diskutieren hitzig über den Untertitel ihres Symposiums, das sie seit mehreren Monaten vorbereiten. Soll es eher um Kooperation oder um Konfrontation gehen? Nach eineinhalb Stunden intensiver Debatte finden die Studierenden einen Titel, mit dem alle zufrieden sind: „Markt und Staat – Neue Regeln für ein altes Spiel“.

Das Thema soll am 11. und 12. Mai in der Humboldt-Universität diskutiert werden. Unter der Schirmherrschaft von Günter Verheugen, Vizepräsident der EU-Kommission, werden Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit Studierenden in die Diskussion treten. Zum Auftakt spricht dieses Jahr Jürgen Kluge, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey.

Das HUFW ist eine studentische Organisation, an der Studierende aller Berliner Universitäten mitwirken. Sie veranstalten seit 2001 jährlich ein Wirtschaftssymposium. Es versteht sich als Forum, das wirtschaftliche Probleme an den Schnittstellen von Wissenschaft und Gesellschaft ebenso wie Politik und Wirtschaft diskutiert und Praktiker aus Wirtschaft und Politik mit Studierenden und Wissenschaftlern ins Gespräch bringt.

Diskutiert werden jedes Jahr gesamtgesellschaftlich relevante Fragen der Wirtschaft. Themen waren unter anderem „Mahatma Gates. Wirtschaft und Ethik – ein Widerspruch in sich?“ oder „Was von der Arbeit übrig blieb. Beschäftigung, Gerechtigkeit und Standortwettbewerb im Jahr 2020“.

Dabei werden immer namhafte Referentinnen und Referenten gewonnen, wie Wolfgang Thierse, Heidemarie Wieczorek-Zeul oder auch hochrangige Wirtschaftsvertreter wie der Chef von Roland Berger Strategy Consultants, Burkhard Schwenker.

Die Organisation des Symposiums mit über 500 Teilnehmern und der Anreise und Betreuung von namhaften Gästen stellt eine Herausforderung an Logistik, Teamgeist und die Flexibilität jedes einzelnen dar. Neben der thematischen Vorbereitung müssen Referentinnen und Referenten recherchiert und angefragt, Sponsoren angesprochen und überzeugt, Medienkooperationen und die Homepage gepflegt und die Veranstaltungen in In- und Ausland beworben werden.

Besonders wichtig ist dem Team die zunehmend internationale Ausrichtung des Symposiums. Seit zwei Jahren nehmen auch Studierende aus Russland, Polen, Spanien oder sogar China teil. So hatten 2004 erstmals fünfzig Gäste von der Warsaw School of Economics die Möglichkeit, bei kostenloser Unterbringung am Symposium teilzunehmen.

Der Beginn eines neuen Semesters ist ein guter Zeitpunkt für Studierende, sich beim HUFW zu engagieren. Wirtschaftlich interessierte Studierende aller Fachrichtungen und Universitäten sind herzlich eingeladen, ihre Sichtweisen auf die Dinge einzubringen und bei der Organisation des nächsten Symposiums dabei zu sein.

Weitere Informationen zum Symposium am 10. und 11. Mai und die kostenlose Anmeldung finden sich auf der Website unter www.hufw.de. Für Fragen genügt eine Mail an info@hufw.de (Tel. 030/44045678). Die Vorbereitungstreffen finden montags ab 19 Uhr im „Anna Koschke“, Krausnickstr. 11, Nähe Oranienburger Straße, in Mitte statt.

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