Zeitung Heute : Mit der Beratung kommt das Betriebskapital

Wer sich gut vorbereitet, ist langfristig erfolgreich: Gründer können sich mit vielfältigen Netzwerken fit machen.

Klaus Grimberg
Ideen durchrechnen. Bei forschungsnahen Unternehmensgründungen kommen eher öffentliche Geldgeber in Frage, bei marktnahen Gründungen wird eher privates Kapital benötigt. Foto: PantherMedia / Sergey Nivens
Ideen durchrechnen. Bei forschungsnahen Unternehmensgründungen kommen eher öffentliche Geldgeber in Frage, bei marktnahen...Foto: PantherMedia / Sergey Nivens

So überzeugend eine Geschäftsidee, so begeisternd eine Erfindung, so einleuchtend ein Dienstleistungsangebot auch sein mögen – ohne einen detaillierten Businessplan haben Unternehmensgründer keine Chance, seriöse Investoren für sich zu gewinnen. „Ein fundierter Businessplan hilft zunächst den potenziellen Gründern selbst, Chancen und Risiken ihrer Geschäftsidee zu hinterfragen und genau zu prüfen“, sagt Christian Segal, Leiter des FirmenCenters Gründung und Nachfolge bei der Berliner Sparkasse. „Darüber hinaus liefert er Sparkassen und Banken die notwendigen Informationen, um die mögliche Gründung analysieren und beurteilen zu können.“

Ein umfassender Blick auf entstehende Kosten, eine differenzierte Prognose der Gewinne und Verluste, strategische Grundsatzentscheidungen im Vorfeld: In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren hat Segal auf Seiten der Gründer eine immer stärkere Professionalisierung beobachtet. Grund dafür ist ein stetig wachsendes und gut eingespieltes Netzwerk aus Beratungs- und Förderangeboten von Hochschulen, öffentlichen Institutionen und spezialisierten Beratern. Die Vielzahl qualifizierter Ansprechpartner hilft Gründern, nicht blauäugig in einem finanziellen Fiasko zu enden. Sondern sich schon vor dem Start fit zu machen für ein langfristig tragfähiges Unternehmenskonzept.

Ein gutes Beispiel ist der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) für Unternehmensgründerinnen und -gründer. Dahinter verbirgt sich Deutschlands größte regionale Existenzgründungsinitiative, die mit jährlich über 140 Veranstaltungen spezifisches Wissen vermittelt und Hilfestellung bei entscheidenden Weichenstellungen gibt. „Der BPW ist außerdem eine große Kompetenz- und Kontaktbörse: Hier treffen Tüftler und Wissenschaftler auf Finanz- und Controllingexperten oder auf Organisations- und Marketingspezialisten“, sagt Marco Zeller, Geschäftsführer der Investitionsbank Berlin (IBB) Beteiligungsgesellschaft. „Auf diese Weise können sich Teams finden, die sich in ihren individuellen Kenntnissen ergänzen und einer Unternehmensidee gemeinsam aus unterschiedlichen Perspektiven zum Erfolg verhelfen können.“

Je breiter ein Team aufgestellt und je besser es vorbereitet ist, so die Erfahrung der Experten, desto zielgenauer können die Partner in den Banken bei der Finanzierung beraten und agieren. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Bei forschungsnahen Unternehmensgründungen kommen eher öffentliche Geldgeber in Frage, bei marktnahen Gründungen wird eher privates Kapital benötigt. Im ersten Fall müssen die richtigen Förderprogramme bei Bund, Ländern oder Europäischer Union gefunden werden, im zweiten Fall gilt es Investoren zu überzeugen. „Als IBB Beteiligungsgesellschaft verstehen wir uns als Türöffner und Brückenbauer zu privaten Investoren: Unsere Philosophie ist, nie allein, sondern immer gemeinsam mit Partnern in neue Projekte einzusteigen“, sagt Marco Zeller.

Schrittweise reduziert die IBB Beteiligungsgesellschaft dann ihr Engagement. Wie etwa bei der Online-Sprachschule „Babbel“ mit Sitz in Berlin-Kreuzberg. In der ersten Gründungsphase übernahm die IBB noch fünfzig Prozent der Investitionssumme von insgesamt 400 000 Euro. Als sich das Unternehmen erfolgreich etabliert hatte und für den nächsten, großen Expansionsschritt zehn Millionen US Dollar Kapital benötigte, war die IBB nur noch mit fünf Prozent beteiligt, der Löwenanteil von 9,5 Millionen kam von privaten Investoren. Ein glänzendes Beispiel dafür, wie ein dynamisch wachsendes Unternehmen mit mittlerweile 17 Millionen Nutzern und mehr als 250 festen und freien Mitarbeitern binnen weniger Jahre zu einem attraktiven Objekt für Kapitalanleger werden kann.

Erfolgsgeschichten wie diese haben unter jungen Hochschulabsolventen in den zurückliegenden Jahren zu einem spürbaren Umdenken geführt. Während noch vor einem Jahrzehnt, so schätzt es Christian Segal ein, gut qualifizierte und kreative Frauen und Männer mit Examen eher dazu neigten, in große Konzerne oder etablierte Beratungsfirmen einzusteigen, sei mittlerweile ein klarer Trend zu spüren, sich mit eigenen Ideen und dem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen.

Ein Trend, der sich auch mit Zahlen belegen lässt: „Aktuell begleiten und finanzieren wir jährlich rund 300 Gründungen, vor acht Jahren waren es gerade mal halb so viele“, sagt Segal.

Damit seien auch die Anforderungen an Sparkassen und Banken enorm gestiegen. Breit aufgestellte, gut organisierte Gründerteams erwarten von ihren Beratern spezialisierte Branchenkenntnisse und qualifizierte Expertise, was das gesamte Geschäftsumfeld und etwaige Förderprogramme betrifft. „Was Innovationsförderung betrifft, haben wir im zurückliegenden Jahrzehnt die Welt gewiss nicht neu erfunden“, fasst Segal die Entwicklung zusammen, „aber sowohl bei den Gründern als auch bei den Geldinstituten ist ein immenser Qualitäts- und Professionalisierungsschub unverkennbar.“

Für Studierende, Absolventen, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter aller Fachbereiche der Freien Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Gründungsförderung der FU Berlin zwei Ideenwettbewerbe ausgeschrieben. Einsendeschluss für die erste Wettbewerbsrunde ist der 27. Januar 2014. Weitere Informationen im Internet unter: www.fu-berlin.de/marketchallenge

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