Zeitung Heute : Mit der Beteiligung an Tele München spielt das Unternehmen in der ersten Medienliga

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Hinter den in Deutschland führenden Medienkonzernen Bertelsmann und Kirch wächst eine weitere Mediengruppe mit globalen Ansprüchen heran. Für eine ungenannte dreistellige Millionensumme steigt die Münchner EM-TV & Merchandising AG rückwirkend zum ersten September diesen Jahres mit 45 Prozent bei der Tele München Gruppe (TMG) ein. In Branchenkreisen ist von einer dreiviertel Milliarde Mark als Kaufpreis die Rede. Damit habe die im Neuen Markt börsennotierte und dort dominierende EM-TV einen Meilenstein erreicht und spiele nun "in der ersten Liga", sagte Vorstandschef und Miteigentümer Thomas Haffa. Das rasant wachsende Unternehmen sei zwei Jahre nach seinem Börsengang nun zum Komplettanbieter im Mediensegment geworden und dehne sein Geschäft über die gesamte Wertschöpfungskette der Medien aus.

Das Unternehmen EM-TV ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Filmproduzent und Rechtehändler für Fernseh-Kinderprogramme sowie Europas führender Vermarkter von Merchandising-Ware. Neu hinzu kommen durch die TMG neben weiteren Produktionsfirmen neue Filmrechte, deren Umfang in Deutschland nur durch die Kirch-Gruppe übertroffen wird, sowie Beteiligungen am Fernseh-Sender RTL 2 (31,5 Prozent) und am neuen Champions-League-Sender tm3 (34 Prozent). Die TMG verfügt über einen Rechtestock von 2700 Spielfilmen von "Stargate" bis "Terminator" und mehr als 5400 Stunden TV-Serien.

Die TMG konnte unter ihrem bisherigen Alleineigentümer Herbert Kloiber im vergangenen Jahr bei 384 Millionen Mark Umsatz rund 200 Millionen Mark Vorsteuergewinn erwirtschaften. Durch diese Relation werde EM-TV sein Ergebnisniveau unmittelbar steigern, versprach Mitvorstand Florian Haffa. Den Gesamtwert seiner Gruppe bezifferte Kloiber auf eine Größenordnung von zwei Milliarden Mark. EM-TV steuere dieses Jahr auf 325 (Vorjahr 81) Millionen Mark Umsatz zu, sagte Haffa. Finanzieren will er den Neuerwerb durch eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre und die Ausgabe einer Wandelanleihe. Derzeit hält die Haffa-Familie 63 Prozent an EM-TV. Auch nach der Kapitalerhöhung bleibe ihr Anteil "deutlich über 50 Prozent".

An der Börse sorgte der Einstieg von EM-TV bei Kloibers TMG für einen gut fünfprozentigen Rückgang ihres Aktienwerts. Allerdings hatte das Papier bereits am Vortag acht Prozent zugelegt. Weit euphorischer sind die Haffa-Brüder. Der jetzige Deal verbinde zwei Unternehmen mit "sehr tollen Margen", wobei auch die TMG "megapositiv überraschend gesund" sowie schuldenfrei sei, urteilten beide. Keinesfalls sei der Teilverkauf seiner Gruppe nötig gewesen, um den jüngsten Erwerb der TV-Rechte für die Fußball-Champions-League zu finanzieren, widersprach Kloiber entsprechenden Spekulationen. Seine Gruppe werde dadurch dieses Jahr nur mit etwa 80 Millionen Mark belastet. Zudem sei er nach den ersten beiden Spieltagen zuversichtlich, die geplanten Werbeeinnahmen überbieten zu können. "Die Erfolge aus den ersten Champions-League-Übertragungen haben die Erwartungen übertroffen." Bei der Übertragung des Spiels von Bayern München gegen PSV Eindhoven habe tm3 in der Spitze mit 5,5 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 22 Prozent erreicht. Die jetzige Verbindung beider Mediengruppen sei auf Wachstum angelegt und ermögliche schnelle Entscheidungen, begründete Kloiber den Deal.

Als nächstes Ziel für EM-TV nannte Thomas Haffa den "Vorstoß in die Weltliga" durch ein kurzfristig realisierbares Engagement in den USA. "Wir sind dran," sagte er, ohne konkret zu werden. Im Übrigen sei er trotz langjähriger Mitarbeit im Haus des führenden TV-Rechtehändlers "kein Anhängsel von Kirch", aber mit ihm befreundet und über das gemeinsame Kinderfilmprojekt Junior-TV geschäftlich verbunden.

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