Zeitung Heute : Mit der BMW ins Weiße Haus

Joshua Bolten, Bushs neuer starker Mann

Christoph von Marschall[Washington]

Kerzengerade steht er da, sparsam geht er beim Reden mit den Gesten um. Wenn er mit ausholender Hand einen Punkt unterstreicht, dann mit langsam gleitender Bewegung, bald ruhen die Finger wieder ineinander verschränkt vor dem Körper. Joshua Bolten ist ein freundlicher Fünfzigjähriger, der gerne lacht und gerne Anekdoten erzählt – um sich am Ende zu entschuldigen, dass die Antwort so lang ausgefallen ist. Ein harmloser Mann oder einer, den man besser nicht unterschätzt?

Darüber spekuliert ganz Washington. Bolten ist neuer Stabschef im Weißen Haus. Wie viel Veränderung will er, wie viel kann er schaffen? Bricht er den Einfluss der mächtigen grauen Eminenz Karl Rove? Der ist formal nur politischer Berater und Vizestabschef, aber er hat das Ohr des Präsidenten und galt als strategischer Kopf hinter Bushs beiden Wahlsiegen und den Erfolgen der Republikaner bei den Kongresswahlen.

Roves Stern scheint zu sinken. Ein Sonderermittler untersucht seine Rolle bei „Plamegate“, der Enttarnung einer CIA- Agentin. Im Kongress hat Bush mehrere Niederlagen erlitten. Hat Roves Instinkt versagt? War er abgelenkt durch seine juristischen Probleme? Am Mittwoch, Boltens drittem Tag im Amt, musste Rove die Zuständigkeit für die politische Koordinierung abgeben. Und dann wird auch noch Joel Kaplan Vizestabschef, neben Rove. Er ist Boltens Mann: Bisher leitete Bolten die Abteilung Management und Finanzen mit Kaplan als Stellvertreter. Nun ist Bolten Stabschef und holt sich Kaplan als Vize und Politikchef. Auch einen neuen Präsidentensprecher kann er aussuchen: Scott McClellan trat am selben Tag zurück.

Nun trifft sich Bolten mit anderen ehemaligen Stipendiaten des American Council on Germany (ACG) und verbreitet gute Laune. Was er im Einzelnen sagt über Bush, die innenpolitische Lage und Chinas Präsident Hu im Weißen Haus, muss im Raum bleiben, so sind die Spielregeln. Er spricht sonst nie mit Journalisten. Eins aber darf der deutsche Reporter schreiben: Neben seinen US-Motorrädern, einer Harley Davidson „Fat Boy“ und einer Victory besitzt der unverheiratete Bolten eine BMW K 75, „zwölf Jahre alt und gut in Schuss“. „Normalerweise werbe ich für amerikanische Produkte, aber ich schätze dieses Stück deutscher Wertarbeit.“ Mit Schauspielerin Bo Derek hat er im Wahlkampf Motorradkonvois „Bikers for Bush“ angeführt. Kanzleramtschef Thomas de Maizière war übrigens auch ACG-Stipendiat. Das hilft bei der Vorbereitung von Angela Merkels USA-Reise im Mai. Bolten wirkt offen, humorvoll, verbindlich – aber er hat Power. Zum Feind möchte man ihn lieber nicht haben.

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