Zeitung Heute : Mit der grünen Linie zur „Rostlaube“

Wo Norman Foster eine Kuppel für Bücher baut – der Campus wird erkundet. Ein Rundgang für Anfänger

Sandra Löhr

Wer an der Freien Universität studiert, der wohnt am besten in Kreuzberg oder im Prenzlauer Berg. Denn wer zentral wohnt, hat mit dem hektischem Großstadtleben der beiden Szenebezirke das genaue Kontrastprogramm zu dem ruhigen, grünen Dahlem, dem südwestlichen Stadtbezirk am Grunewald, in dem die größte Universität Berlins seit über 50 Jahren ihren Hauptstandort hat. Und als hätten die Stadt- und Verkehrsplaner schon vor über 100 Jahren beim Bau der Berliner U-Bahn gewusst, dass sich irgendwann einmal die meisten Studenten ihre WG-Zimmer am liebsten zwischen Kottbusser Tor und Eberswalder Straße suchen, fährt heute die U1, die sich durch ganz Kreuzberg schlängelt, direkt zu der im Kalten Krieg gegründeten Universität. Wer dagegen im Prenzlauer Berg wohnt, nimmt einfach die U2 und steigt dann ab Gleisdreieck oder Wittenbergplatz in die grüne Linie um, die spätestens jetzt einem rollendem Seminarraum ähnelt. Egal ob Sitzplatz oder nicht – hier versucht jeder aus der langen Reise ans andere Ende von Berlin das Beste zu machen. Leise werden mit geschlossenen Augen Vokabeln wie Mantras vor sich hin gemurmelt, Stifte kratzen über Bücherpapier und die bunten Farben der Textmarker ergießen sich hektisch über kopierte Aufsätze und andere Semesterliteratur.

An den beiden U-Bahnstationen Dahlem-Dorf und Thielplatz spucken die Waggons während der Semesterzeit im Minutentakt Tausende von Studenten aus, die sich auf die – teilweise immer noch in wunderschönen, kleinen Villen untergebrachten – Institute für die Geistes-, Sozial-, und Naturwissenschaften verteilen. Nur die Geo- und Kommunikationswissenschaften befinden sich in Lankwitz, und die Veterinärmedizin hat einen eigenen kleinen Campus in Düppel. Einen weiteren „Mini-Campus“ bildet außerdem das Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Steglitz.

Weil die vielen kleinen Gebäude Anfang der sechziger Jahre dem immer größer werdenden Ansturm an Studenten nicht mehr standhielten, entstand die heutige „Rost-und Silberlaube“, die zusammen mit dem Henry-Ford-Bau der zentrale Sitz der Universität ist. Der Rudi-Dutschke-Weg hinter der Silberlaube erinnert an die wichtige Rolle, die die FU während der Studentenbewegung spielte. Die „Rostlaube“ bröckelt von innen wie von außen vor sich hin. Dies soll sich aber nun ändern. Es wird saniert und renoviert und kein geringerer als Lord Norman Foster, der mit seiner gläsernen Kuppel dem Reichstag zu neuem Leben verhalf, wird den Neubau der Philologischen Bibliothek gestalten, die im Jahr 2005 an die Studenten übergeben werden soll.

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