Zeitung Heute : Mit der Straßenbahn ins Atelier

Sie haben das Rundgang-Plakat entworfen, sie sind online und arbeiten an einem Label: die Studierenden der Klasse Held.

Regina Lechner

Mit hunderten Fotos kehrte Regina Nieke aus Bukarest von ihrem Studienaufenthalt zurück. Sie ist Meisterschülerin der Malereiklasse von Burkhard Held, doch neben dem Pinsel nimmt sie auch gerne die Kamera in die Hand. Eines ihrer Fotos war die Grundlage des künstlerischen Entwurfs, mit dem sie sich gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen Ulrike Krone und Minyoung Park für das Plakat des diesjährigen Rundgangs beworben hatte. Das Foto zeigt eine Straßenbahnszene und ist eine Momentaufnahme aus dem Alltag der Stadt, mit einer geheimnisvollen Faszination. „Es soll dafür stehen, dass beim Rundgang die Menschen an einem Tag im Jahr die Möglichkeit bekommen, einen Blick hinter die ansonsten verschlossenen Türen der Ateliers zu werfen“, so die drei Künstlerinnen.

Im dritten Stock des Altbaus in der Hardenbergstraße stapeln sich die Leinwände bis unter die Decke. Die Wände und der graue Boden sind über und über mit bunten Farbsprenkeln bedeckt, die Tische voll mit ausgerollten Skizzen, zerquetschten Farbtuben und Pinseln in allen Größen.

Die Klasse Held ist international besetzt. Unter den knapp 30 Studierenden sind Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine, aus Polen, dem Libanon, Serbien und Korea, Frankreich, Österreich und auch Deutschland. Mit ihrer Kunst sind die jungen Malerinnen und Maler von Burkhard Held bislang sehr erfolgreich. Viele können Einzelausstellungen in Galerien vorweisen, sie gewinnen regelmäßig Wettbewerbe und werden mit Stipendien gefördert. „Sie sind sehr ehrgeizig“, erzählt der Professor, „aber das Kunststudium ist heute eben ein Karrierestudium. Früher hat man Kunst studiert, um Künstler zu sein, heute lockt auch die Möglichkeit am allgemeinen Boom der Kunst teil zu haben."

Für Burkhard Held ist besonders wichtig, dass seine Studenten bei ihren Arbeiten eine eigene Handschrift erlangen. Jeder sucht sich selbst Themen und entwickelt die Positionen dann in den Einzelgesprächen mit dem Professor oder innerhalb der Klasse weiter.

Eine Auswahl an Arbeiten zeigen die Studenten aus der Klasse Held auf der eigenen Website.Viele der Studenten betreiben außerdem eine eigene Homepage, um sich und ihre Werke publik zu machen.

Beim Rundgang zeigen sie eine Auswahl ihrer Arbeiten aus dem letzten Jahr. Dann mischen sich auch Galeristen und Sammler unter die kunstinteressierten Besucher. So mancher Student konnte bei dieser Gelegenheit schon das eine oder andere Bild verkaufen und Umsätze bis in den vierstelligen Bereich erzielen. Ein eigenes Plakat mit dem Titel „0.9 Original“ soll an diesem wichtigen Tag die Aufmerksamkeit auf die Ausstellung der Klasse lenken. „Wir wollten für die Klasse ein Label mit Wiedererkennungswert entwickeln“, erklärt Burkhard Held.

Beim Rundgang zeigen die Studierenden der Bildenden Kunst ihre Arbeiten in den Ateliers im UdK-Gebäude in der Hardenbergstraße.

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