Zeitung Heute : Mit Durchblick

Von der Kita in die ganze Welt: Mykita produziert trendige Brillen für jeden Kopf und viele Prominente

Sarah Jessica Parker steht im Treppenhaus – zumindest ein Poster der ziemlich dünnen Schauspielerin. Das für den Film „Sex and the City 2“ wirbt. Auf der Nase trägt Parker eine tropfenförmige Sonnenbrille mit goldenen Gläsern. Eine Sonnenbrille des Berliner Unternehmens Mykita. Mykita? Zugeben, der Name führt ein bisschen in die Irre – bleibt aber im Gedächtnis. Denn Mykita, das klang für die Kunden anfangs irgendwie japanisch. Deshalb schreibt das Unternehmen jetzt die Ortsangabe Berlin unter seinen Schriftzug.

Benannt ist die Firma, die Brillen für jeden Kopf baut, nach ihren ersten Geschäftsräumen, die sich eben in einer ehemaligen Kita befanden. Dort wurde es dem Team um die Gründer Harald Gottschling, Moritz Krueger und die Brüder Daniel und Philipp Haffmans aber irgendwann zu eng – und Mykita zog um, in ein Haus in der Brunnenstraße in Wedding.

Auf mehreren Etagen entstehen dort jedes Jahr 60 neue Modelle, dazu kommen Projekte mit Künstlern, zum Beispiel dem deutschen Modedesigner Bernhard Willhelm. Die Formen, die sich etwa die Chefdesigner Philipp Haffmans und Harald Gottschling ausdenken, werden dann später ein paar Meter weiter zusammengebaut. Am Tag stellen die professionellen Feinmotoriker – viele der Mitarbeiter sind ausgebildete Zahntechniker – rund 600 Modelle her. Die meisten Mitarbeiter sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, an den Wänden hängen ziemlich viele Babyfotos.

„Der Know-how-Transfer spielt für uns eine ganz große Rolle“, sagt Moritz Krueger, der zusammen mit Daniel Haffmans die Geschäfte führt. Und auch, dass man die Brillen natürlich günstiger im Ausland produzieren könnte. Aber durch die Nähe der einzelnen Abteilungen zueinander entstehe auch viel mehr Potenzial. „Außerdem haben wir uns immer ein wenig als soziale Unternehmung gesehen.“ Ganz günstig sind die Brillen nicht: Die Durchschnittsbrille kostet rund 390 Euro.

Mykita komme zugute, dass viele Käufer nach der Finanzkrise mehr auf Qualität und einen ethischen Wert achteten: „Die Käufer interessieren sich stärker dafür, wie etwas gemacht ist und ob hinter einem Produkt etwas Authentisches steht“, sagt der Geschäftsführer, der wie die drei anderen Gründer aus Oldenburg stammt. Die Berliner Bedingungen haben nach Ansicht des Geschäftsführers Moritz Krueger das kontinuierliche Wachsen des Unternehmens gefördert: „Es gibt hier in Berlin prima Mitarbeiter und billigen Mietraum.“

Chefdesigner Philipp Haffmans hat es sich zur Aufgabe gemacht, Modelle für jeden Kopf zu entwerfen, und für jede Sehstärke: Der größte Markt ist Nordamerika – wo viele Menschen einen relativ schmalen Augenabstand haben. Aber auch Skandinavier oder Asiaten sollen in den Kollektionen etwas Passendes finden. Mykita wird aber auch gerne von etwas älteren Kunden gekauft, die Spaß an Technik haben. Und so zeigen können, dass sie sich für Design interessieren. Das Besondere an den Brillen sind nämlich die Metallspiralen, die den Bügel und das Gestell miteinander verbinden. An diesem Gestell können Brillenfreunde die Marke erkennen – einen Namensaufdruck auf der Außenseite sparen sich die Macher deshalb. „Wir machen durch die Ästhetik des Gelenks und die Schönheit der Technik auf uns aufmerksam“, sagt Moritz Krueger.

Die Idee mit der Metallspirale haben die beiden Mykita-Designer Gottschling und Haffmans schon zu Studienzeiten an der Universität der Künste entwickelt. Für Mykita arbeiten im Moment rund 100 Menschen. Die Brillen gibt es weltweit in mehr als 1800 Optikerläden.

Mykita will in Zukunft versuchen, weitere Zielgruppen zu erschließen. Das Herz vieler Prominenter haben die Brillenmacher längst erobert. Das zeigen auch die Bilder von einem bebrillten Brad Pitt oder Lady Gaga, die neben dem Eingang hängen. Während Sarah Jessica Parker noch immer einsam im Treppenhaus lehnt.

www.mykita.com

Wir machen durch die Ästhetik des Gelenks und die Schönheit der Technik auf uns aufmerksam.“

Moritz Krueger, Geschäftsführer

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben