• Mit Empfehlung von über 1150 Ärzten Die Methodik der Medizinerumfrage und der Datenauswertung für den Berliner Klinikvergleich

Zeitung Heute : Mit Empfehlung von über 1150 Ärzten Die Methodik der Medizinerumfrage und der Datenauswertung für den Berliner Klinikvergleich

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Der erste Berliner Klinikvergleich bietet den Lesern des Tagesspiegel eine Fülle von Informationen über das Leistungsangebot der Krankenhäuser. Vor allem zwei Informationsquellen bedürfen besonderer Erläuterungen im Hinblick auf die Methodik, mit der diese Daten erhoben und ausgewertet wurden: Die vier Zahlenreihen, die als BQS-Qualitätsindikatoren bezeichnet sind, sowie die Empfehlungen der niedergelassenen Ärzte.

Die Empfehlungen der Ärzte beruhen auf einer Umfrage unter allen in Berlin niedergelassenen Ärzten, die einer der folgenden Fachgruppen angehören: Allgemeinärzte, Praktische Ärzte, Kardiologen, Internisten, Frauenärzte, Orthopäden, Neurologen und Psychiater sowie Gefäßchirurgen.

Insgesamt erhielten 4242 Ärzte erstmals Mitte April und dann nochmals als Erinnerung Anfang Mai einen Brief, in dem der Arzt zu drei Indikationen um Empfehlungen gebeten wurde und diese in den beiliegenden Fragebogen eintragen sollte. Die Indikationen waren nach der Fachgruppe des Arztes ausgewählt. Die Orthopäden sollten z. B. Kliniken empfehlen für Patienten, die eine künstliche Hüfte bzw. Knie benötigen oder einen Schenkelhalsbruch erlitten haben.

Zu jeder der drei Indikationen sollte der Arzt zunächst Kliniken nennen, die er den Patienten seiner Praxis empfiehlt. Bis zu drei Kliniken je Indikation konnten hier genannt werden. Darüber hinaus sollte auch angeben werden, in welche Klinik der Arzt selbst gehen oder seine nahen Angehörigen schicken würde, wenn sie sich dem betreffenden Eingriff unterziehen müssten. Mit dieser Zusatzfrage sollte erreicht werden, dass die von den Ärzten besonders hoch geschätzten Kliniken in der Auswertung besser erkennbar werden.

Bei der Durchführung der Befragung wurde ein Verfahren angewandt, das sicher stellt, dass die Ergebnisse durch regional unterschiedliche hohe Antwortbereitschaften der Ärzte weniger beeinflusst werden. Dazu wurde das Stadtgebiet in 25 Regionen mit etwa gleich großer Zahl dort ansässiger Ärzte eingeteilt. Die eingehenden Antworten wurden diesen Regionen zugeordnet und kontrolliert, wie viele Antworten in jeder Region aus den einzelnen Fachgruppen eingingen. In Regionen mit schwachem Rücklauf wurde gezielt nachgearbeitet, indem Ärzte, die auf die Anschreiben nicht reagiert hatten, per Telefon um Mitwirkung gebeten wurden.

Durch diese Kombination aus schriftlicher und gezielter telefonischer Erhebung wurde eine Beteiligung von 27,2 Prozent erreicht – das entspricht 1154 Ärzten. Diese Rücklaufquote ist für eine Umfrage unter niedergelassenen Ärzten als außergewöhnlich hoch einzustufen und stellt eine gute Basis für den Berliner Klinikvergleich dar.

Für die Auswertung wurden sämtliche zu einer Indikation abgegebenen Empfehlungen – also die bis zu drei Angaben zu den Praxispatienten sowie die bevorzugte Klinik des Arztes selbst – summiert. Anschließend wurde berechnet, welcher Anteil der Gesamtsumme aller Empfehlungen auf jede Berliner Klinik entfällt. In der Auswertung wurden nur Empfehlungen berücksichtigt, die sich in Berlin befinden und die jeweilige Behandlung auch durchführen.

Im Hinblick auf die Qualitätsindikatoren der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) ist an dieser Stelle nur auf den Prozess der Auswahl einzugehen. Die zu einer Behandlungsindikation grundsätzlich verfügbaren BQS-Indikatoren wurden im Hinblick auf ihre Eignung für den Klinikvergleich gesichtet und mit Vertretern der Berliner Krankenhäuser sowie externen Experten diskutiert. Ziel war es, für jede Indikation vier Kennzahlen auszuwählen, die aus Sicht aller Beteiligten methodisch geeignet sind. Die Tatsache, dass dies in sehr kurzer Zeit gelungen ist, spricht für die große Unterstützung der Berliner Kliniken gegenüber einem Transparenzprojekt wie dem Berliner Klinikvergleich.

Der Autor ist Mitarbeiter des Berliner Institutes für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), das den Klinikvergleich methodisch-wissenschaftlich begleitete

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