Zeitung Heute : Mit Fantasie und künstlerischem Geschick

In einer Sonderschau zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 300 Jahre Gartenpflege

Helmut Caspar

Preußisch Blau war die Farbe der Hohenzollern. Sie wurde zum Synonym für das Soldatentum unterm schwarzen Adler. Jetzt kommt ein neuer Farbton dazu: „Preußisch Grün“. Dahinter verbirgt sich eine Ausstellung im Schloss Glienicke, die einem bei den brandenburgischen Kurfürsten und preußischen Königen sehr geachteten Berufsstand, den Hofgärtnern, sowie den Ergebnissen neuzeitlicher Gartendenkmalpflege gewidmet ist. Gezeigt werden Exponate aus drei Jahrhunderten sowie historische Fotos. Eigens für die Ausstellung werden auch seit langem ungenutzte Räume des Schlosses, wie der ehemalige Marstall im Kavalierflügel, den Besuchern zugänglich gemacht.

Diese umfangreiche Dokumentation der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg findet vom 18. Juli bis zum 17. Oktober statt. Zu „Preußisch Grün“ gehören auch dezentrale Ausstellungsorte wie die Parks von Babelsberg, die Pfaueninsel, Neuer Garten, Sacrow, Sanssouci und Charlottenhof. Die Sonderschau ist ein wichtiger Teil des Kulturland-Themenjahres 2004, das unter dem Motto „Landschaft und Gärten“ im Land Brandenburg stattfindet.

„Wir würdigen anhand von Dokumenten, Lageplänen, Fotografien, Arbeitsgeräten und anderen Zeitzeugnissen Leben und Leistungen bedeutender Hofgärtner“, sagt Michael Seiler, Direktor der Stiftung. Zu sehen ist die unverkennbare „Handschrift" unter anderem von Salzmann, Lenné, Meyer, Fintelmann und vielen anderen. So soll „die Hofgärtnerei ein wenig aus dem Schatten der Architektur“ herausgeholt werden, erläutert Seiler.

Gleich am Eingang des Schlosses wird auf einer großen Schauwand das Wirken dieser angesehenen Berufssparte dokumentiert. Ihre Arbeit bestand nicht nur darin, Gärten mit exklusiven Bepflanzungen anzulegen. Sie kümmerten sich auch intensiv um die Aufzucht von frischem, auch exotischem Obst und Gemüse. Sie gingen auf Reisen, um ihre Kenntnisse zu erweitern oder diskutierten mit Mitgliedern wissenschaftlicher Gesellschaften. Auch in Fachbüchern gaben sie ihr Wissen preis.

Michael Seiler ist stolz darauf, viele Gegenstände als Leihgaben von Nachfahren jener in preußischen Orten tätigen Hofgärtner zeigen zu können. Diese Exponate machen deutlich, wie mit einfachen Mitteln große Kunst geschaffen wurde. Geduld, Geld, viel Fantasie und künstlerisches Geschick waren nötig, um schon vor 300 Jahren grandiose Landschaften in der eher kargen Gegend aus Sand und Kiefern zu schaffen, resümiert Seiler. Dazu bot die wasserreiche Gegend um Potsdam mit ihren vielen Erhebungen ideale Bedingungen. Sie hätten allerdings wenig genutzt, wenn das Herrscherhaus nicht ein Faible für gestaltete Natur gehabt hätte und ihren Hofgärtnern weitgehend freie Hand gab. Auch dazu bietet die Ausstellung Interessantes.

Der zweite Teil der Sonderschau im Kavalierflügel zeigt die nach dem Fall der Mauer begonnene Wiederherstellung weiter Teile des Neuen Gartens und des benachbarten Pfingstbergs in Potsdam sowie der Schlossparks in Babelsberg und Sacrow. Da die Anlagen im DDR-Grenzbereich lagen oder wie im Fall des Pfingstbergs von den Sowjets genutzt wurden, waren Pflegemaßnahmen unmöglich.

Hier wird der Umfang der Verwüstungen thematisiert, die bis 1989 auf 36 Hektar im Zentrum der Parklandschaft angerichtet wurden. Durch Neuanpflanzungen sowie durch die Wiederherstellung der Wegesysteme in den vergangenen Jahren haben diese Bereiche wieder ihre historische Grundstruktur bekommen. Ebenfalls im Kavalierflügel ist die Installation „Lenné3D“ zu sehen, die vom Hasso-Plattner-Institut an der Universität in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung und anderen Partnern erarbeitet wurde. Hier können Besucher am Monitor einen interaktiven Spaziergang durch einen virtuell rekonstruierten Garten des 19. Jahrhunderts unternehmen. Vorgeführt wird das schon lange verlorene „italienische Kulturstück“, das von Lenné 1834 bei den Römischen Bädern im Park Sanssouci für den damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. angelegt wurde. Damals wuchsen Weinstöcke und Kürbisse in Form von Girlanden zwischen Ulmen und Maulbeerbäumen, dazwischen gab es mediterrane Nutz- und Zierpflanzen. „Da viele Pflanzen nicht frosthart sind und die Pflege sehr arbeitsaufwändig war, ging dieses Stück Italien schon fünfzig Jahre nach seiner Schaffung verloren. Seine Wiederherstellung und Pflege würde unsere Möglichkeiten übersteigen", kommentiert Seiler die Computersimulation.

Mit der Ausstellung wird aber nicht nur die Entwicklung der königlichen Gartenkunst geschildert, vielmehr wird auch auf die heutige dramatische Situation der Gärten innerhalb der Stiftung hingewiesen. „Sie stets in Ordnung zu halten und wieder auf ihre ursprünglichen Zustände zurückzuführen, verursacht große Mühen und hohe Kosten. Die Ausstellung unterstreicht die Notwendigkeit und zeigt Beispiele, wie uns das bisher gelungen ist“, erläutert Seiler.

Preußisch Grün. Schloss Glienicke, Königstraße 36, 14109 Berlin, 18. 7. b. 17. 10. Geöffnet Di. b. So. 10 b. 18 Uhr, Führungen: Di. b. Fr. 14 Uhr, Sbd., So. 11 bis 14 Uhr. Eintritt: fünf Euro.

Botanisiertrommel. Auch heute noch dienen solche schmalen Behälter, allerdings in schlichter Ausführung, Naturliebhabern als Aufbewahrungsort von gesammelten Pflanzen. Das Foto zeigt eine Rarität, grün lackiert, aus dem Jahre 1533.

Friederike Lenné war die Ehefrau des Gartenbaumeisters und Generaldirektors der königlichen Gärten in Preußen. Das von Karl Begas stammende Porträt von 1829 ist in Privatbesitz.

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