Zeitung Heute : Mit flexiblem Charakter auf Nummer sicher Forscher entwickeln hauchdünne Mikrochips

Im Sommer erst eröffnet und schon läuft die Arbeit auf Hochtouren. Im neuen Security Lab an der Gustav-Meyer-Allee in Berlin-Wedding wollen Wissenschaftler hauchdünne Mikrochips in Sicherheitsdokumente einsetzen. Die Anforderung an das Material: so flexibel und vielseitig, wie nur möglich. „Diese Chips sind mit Kontakten nur fünfzehn Tausendstel eines Millimeters dick“, erläutert Christine Kallmayer, Leiterin des Security Lab. „Sie werden auf ganz feine Folien aufgebracht und kontaktiert. Die Bundesdruckerei laminiert sie dann mit anderen Folien zu einer Chipkarte.“

Doch Kallmayer meint nicht die herkömmliche Chipkarte, meist aus festem Kunststoff. Im Security Lab geht es um eine neue Generation von Sicherheitsdokumenten, die biegsam sind und sich jeder beliebigen Form anpassen. Die Forscherin erläutert: „Denkbar sind sie auch in Geldscheinen oder in Plastikfolien, beispielsweise zur fälschungssicheren Verpackung von hochwertigen Waren.“

Das Security Lab wurde von der Bundesdruckerei und dem Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in dem Zentrum „Smart System Integration“ ins Leben gerufen. Das Zentrum ist Teil der Hightech-Initiative des Bundesforschungsministeriums. Über eine enge Kooperation mit dem Fraunhofer IZM ist auch die TU Berlin an den Arbeiten beteiligt. Seinen Sitz hat das Labor im Innovationszentrum an der Gustav-Meyer-Allee.

Die Bundesdruckerei will ihren technologischen Vorsprung in der elektronischen Sicherung von Dokumenten mit Hilfe der Forscher weiter ausbauen. Plastikkarten mit Mikrochips oder der elektronische Reisepass gelten mittlerweile als Standard. „Die normale Chipkarte ist ein bis zwei Millimeter dick“, erklärt Harald Pötter, Leiter des Applikationszentrums. „Der Chip benötigt davon ungefähr ein bis drei Zehntel Millimeter. Man muss daher eine Aussparung für ihn vorsehen. Das heißt, die Lage des Chips auf der Karte ist genau bekannt, die Karte ist an dieser Stelle dünner, sie kann brechen und sie ist nicht biegsam.“

Daher zielen Kallmayer und ihre Kollegen auf Chipkarten, „die so unverwüstlich sind wie ein Personalausweis.“ Der Chip muss sich mitbiegen, muss also selber zur Folie werden. Dazu muss er sehr dünn sein, im Falle der Sicherheitsdokumente messen sie in der Dicke weniger als ein Zehntel Blatt Papier.

Das Fraunhofer IZM gilt zusammen mit seinem Partner TU Berlin als eines der besten Institute, wenn es um die Bestückung von Mikrochips und ihre Kontaktierung geht. Unter seinem Direktor und TU-Professor Herbert Reichl hat es sich zu einem führenden Zentrum der Mikroelektronik entwickelt. HS

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