Zeitung Heute : Mit ganz neuen Seiten auf immer mehr Konkurrenten reagieren

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Am 30. März feiert das neue Geldanlage-Magazin von Burda mit dem Titel "Focus Money" Premiere, und am 13. April wird der Axel Springer Verlag sein "Aktien Research" an den Kiosk schicken. Danach dürfte dann erst mal Schluss sein mit dem Gründungsfieber bei den Wirtschaftsmagazinen. Selbst geübte Beobachter verlieren bei all den vielen Neueinführungen und Neuauftritten von Wirtschaftsblättern langsam den Überblick und fragen sich, ob nicht nur an der Börse die viel zitierte Blase platzen könnte, sondern auch im Zeitschriftenmarkt. Bei der ersten Unstimmigkeit an der Börse werde sich zeigen, welcher der Wirtschaftstitel wirklich funktioniert, glauben Kenner der Branche.

Um weitgehend resistent zu bleiben gegenüber wachsender Konkurrenz durch neue Magazine, aber auch, um den Änderungen in der Wirtschaft durch die vielen Gründerfirmen rund ums Internet gerecht zu werden, erscheint die "Wirtschaftswoche" an diesem Donnerstag mit neuen Themenschwerpunkten. Die großen Ressorts "Unternehmen & Märkte" und "Technik & Innovation" gibt es in dieser Form nicht mehr. Vielmehr geht der Technik-Teil ab sofort in der Unternehmensberichterstattung auf. Der Vorteil: Die Technik-Themen werden aktueller. Denn bisher mussten diese Seiten bereits einige Tage früher produziert werden als der Rest des Magazins. Da die Technik künftig jedoch im vorderen Heftteil als Bestandteil des Ressorts Unternehmen aufgeht, kann die Unternehmensberichterstattung zudem doppelt so viele Seiten in Anspruch nehmen und wird auch von doppelt so vielen Redakteuren bearbeitet wie bisher. Gerade aus der so genannten neuen Wirtschaft wagten sich derzeit pro Woche drei bis fünf Firmen an die Börse. Folglich genießt alles, was sich um neue Technologien dreht, einen besonderen Schwerpunkt, so Chefredakteur Stefan Baron. Die dritte Neuerung der "Wirtschaftswoche" bestehe in der Vernetzung der großen Ressorts Geld und Politik. Jede Änderung bei Unternehmen werde künftig aus der Sicht des Geldanlegers analysiert. Umgekehrt werde jeder Geldanlagetipp mit der veränderten Situation eines Unternehmens begründet.

Auf diese Weise versucht die "Wirtschaftswoche" offenbar, gegenüber dem Burda-Magazin "Focus Money" mehr Substanz zu bieten. Wie man aus München hört, ist man dort nämlich ganz besonders stolz auf den Geldanlage-Teil, der der umfangreichste aller Wirtschaftsmagazine werden soll. Baron zweifelt allerdings, ob das schlichte "Focus Money"-Prinzip funktioniert. Werden alle Themen unter dem einen Gesichtspunkt behandelt, was das für den eigenen Geldbeutel bedeutet, wirke das stringente "Focus Money"-Konzept schnell eindimensional, glaubt er. Schnelle Infos für "Zocker" seien nichts für den Leser der "Wirtschaftswoche". Als wirkliche Konkurrentin betrachtet Baron das Burda-Magazin daher nicht.

Noch scheint sich keiner der Zeitschriften-Entwickler zu fragen, ob das plötzliche Angebot den Käufer am Kiosk nicht überfordern könnte. Gerade das Beispiel der "Telebörse", die seit 27. März auf dem Markt ist, lässt die Euphorie der Verlage weiter steigen. Denn "Telebörse" schadete der Auflage des ähnlich positionierten "Börse Online" (Gruner + Jahr) nicht im geringsten. Im Gegenteil. Der Verkauf stieg sogar an. Mittlerweile hat "Börse Online" sogar die Hürde von 300 000 verkauften Exemplaren genommen. Stefan Baron sieht sich deshalb in seiner Meinung bestätigt: "Jedes neue Geldmagazin führt Wirtschaftsmagazinen neue Leser zu. Denn wer die Börse verstehen will, muss die Wirtschaft verstehen." Sein erklärtes Ziel, das er mit der neuen "Wiwo" verbindet, lautet daher: "Wir wollen uns jenseits der 200 000-Marke festsetzen." Bislang wurde die Marke nur mit einzelnen Ausgaben übersprungen. Im vergangenen Quartal betrug die verkaufte Auflage 183 000 Exemplare.

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