Zeitung Heute : Mit Gloria und ohne Glanz

Die Sozialisten haben haushoch gewonnen – aber nicht, weil sie die besseren Reformideen vertreten

Sabine Heimgärtner[Paris]

Niemand symbolisiert den Sieg der französischen Sozialisten bei den Regionalwahlen besser als Segolene Royal. Die 50 Jahre alte ehemalige Familienministerin, Lebensgefährtin von Parteichef Francois Hollande und Mutter von vier gemeinsamen Kindern, fuhr bei der Stichwahl in der westfranzösischen Region Poitou-Charantes 55,1 Prozent ein. Die Politikerin setzte sich damit in der Heimat von Premierminister Raffarin, der dort 14 Jahre lang Regionalpräsident war, gegen dessen Nachfolgerin Elisabeth Morin durch. Zwei Jahre nach ihrer katastrophalen Wahlniederlage bei den Präsidentschaftswahlen haben die Sozialisten und ihre Verbündeten, Grüne und Kommunisten, einen völligen Umschwung in Frankreich erreicht. Die Ursache dieses Erfolges ist jedoch eher unklar. Seit der frühere Regierungschef der Linken, Lionel Jospin, im April 2002 zurückgetreten ist, haben sich seine Nachfolger weder mit neuen Ideen noch mit neuen programmatischen Ansätzen profiliert. Zwei Jahre lang war die Linke nahezu stumm. Meistens blieb sie – ihre eigenen Wunden leckend – brav in der Oppositionsrolle.

Dennoch: Einen derartigen Erdrutschsieg der Linken hatte es seit dem Doppelwahlsieg von Mitterrand im Jahr 1981 nicht mehr gegeben. Ein französisches Phänomen, meint darum auch die linke Zeitung „Libération". Sie ist davon überzeugt, dass es den Franzosen primär darum ging, der konservativen Regierung einen Denkzettel zu verpassen, und dass es ihnen erst in zweiter Linie darum ging, für die Sozialisten und ihre Verbündeten zu votieren. Francois Hollande, der sozialistische Parteichef, ist sich dessen offenbar bewusst, genauso wie die altgedienten „Elefanten“ der Sozialisten – Ex-Wirtschaftsminister Laurent Fabius, Dominique Strauss-Kahn und der frühere Kulturminister Jack Lang. Sie wollen das Ergebnis nicht überbewerten. Und folglich ist die einzige Korrektur an der aktuellen Regierungspolitik, die bislang aus der linken Parteizentrale drang: Reformen ja, aber nicht mit der Axt.

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