Zeitung Heute : Mit gutem Gewissen Gewinn machen

Ökoanleger wollen sich sozial engagieren und hoffen auf hohe Renditen. Doch auch „Grüne Geldanlagen“ sind nicht ohne Risiken zu haben

Philipp Eins

Die Umwelt schützen und dabei Geld verdienen: Mit solchen Ideen werben Verwalter von Ökoinvestmentfonds um die Gunst der Anleger. Und das mit Erfolg: Immer mehr Verbraucher stecken ihre Notgroschen zum Beispiel in Aktien von Wasserkraftwerken, Solarherstellern oder homöopatischen Arzneimittelproduzenten. Obwohl erst zwei Prozent der Deutschen ihr Geld in Ökofonds anlegen, denkt Umfragen zufolge bereits jeder Fünfte an eine solche Investition. Ökoanleger sind von ihrem Engagement überzeugt: So möchten 62 Prozent mit ihrer Entscheidung soziale Verantwortung übernehmen, 57 Prozent glauben an hohes Wachstum und schnellen Profit.

Das gute Gewissen der Aktionäre lohnte sich bislang: Der Natur-Aktien-Index (NAI), in dem die weltweit 30 wichtigsten börsennotierten Ökounternehmen verzeichnet sind, legte um 21 Prozent zu. Eine wahre Boombranche: rentabel, aber auch spekulativ.

„Wer sein Geld in erste Linie sicher anlegen möchte, sollte die Finger von Aktienfonds lassen“, meint Thomas Bieler, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn ob Ökoaktie oder nicht: Kursrisiken gibt es immer. Während manche Fonds 2007 um satte 52 Prozent zulegten, verbuchten andere ein Minus von vier Prozent. Einzelne Werte aus dem Ökoindex NAI purzelten sogar um 43 Prozent nach unten. „Wer sich trotzdem für einen Aktienfonds entscheidet, sollte als Nächstes eines tun: Prospekte wälzen“, rät Bieler. Denn das Angebot ist groß: 166 Ökofonds sind im deutschsprachigen Raum zugelassen – und alle kaufen Aktien nach anderen Kriterien.

Während manche Fonds das Vermögen der Anleger in mehrere Wirtschaftszweige streuen, investieren andere nur in bestimmte Branchen wie Umwelttechnik, neue Energien oder Wasserversorgung und -aufbereitung. „Solche Themenfonds sind mit höherem Risiko verbunden“, erklärt Bieler. Denn eine Branche kann auf den Aktienmärkten leicht abstürzen.

Breit aufgestellte Aktienfonds sind sicherer, haben aber andere Nachteile: „Wenn in Produktbeschreibungen Begriffe wie Klimawandel fallen, heißt dies zunächst einmal, dass man in Aktien investiert, die vom Klimawandel profitieren. Das kann aber auch ein Atomstromanbieter sein“, erklärt Karin Baur, Geldexpertin der Stiftung Warentest in Berlin. Auch Deichbauer, die dank Klimawandel und Hochwasser rentable Aufträge abschließen konnten, können in solchen Fonds vertreten sein.

Dabei müssen es nicht immer Aktien sein: Auch Immobilienfonds setzen auf Umweltschutz. Zum Beispiel der Sonnenschiff-Fonds aus Freiburg. Dort können Anleger Anteile an einem umweltfreundlichen Geschäftshaus kaufen. Das Konzept: „Durch Wärmedämmung und moderne Lüftungen wird Energie gespart, durch Solaranlagen auf dem Dach Ökostrom produziert“, erklärt Boris Kauth von der Solarsiedlung GmbH. Die Siedlung haushaltet nicht nur energieneutral, sie erwirtschaftet sogar einen Überschuss an Ökostrom. Was es den Anlegern bringt? „Eine Rendite von sechs Prozent bei einer Laufzeit von 20 Jahren“, sagt Kauth. Risiken wie sinkende Mietpreise sind in den Prognosen mit berechnet.

Also alles sicher? „Nicht unbedingt“, sagt Finanzexperte Thomas Bieler. „Bei solchen Geldanlagen muss der Verbraucher darauf vertrauen, dass die Prognosen stimmen – und wer kann das schon garantieren?“ Das gilt auch für sogenannte Baum-Sparverträge, die von der Firma Forest Finance angeboten werden: Für 2 400 Euro können Anleger zum Beispiel Forstanteile in Panama erwerben. Durch Feuerversicherungen ist die Einlage gesichert – doch ob sich für die Tropenhölzer eine Rendite von prognostizierten 9,4 Prozent nach 25 Jahren tatsächlich erzielen lässt, ist laut Bieler ungewiss.

Die sicherste Alternative zu nachhaltigen Fonds: „Gewöhnliche Festzinsbriefe bei Ökobanken“, sagt Bieler. Die Umweltbank sowie die Genossenschaftsbank GLS bieten Sparbriefe mit Zinsen zwischen 3 und 4,5 Prozent an. Dafür versichern sie, dass sie Kredite lediglich an nachhaltige Unternehmen vergeben. Auf der Ausschussliste stehen Firmen, die Geschäfte mit Gentechnik, Braun- und Steinkohle oder Waffen und Militärgütern betreiben. Die Umweltbank gewährt ihren Kunden eine Einlagensicherung bis 20 000 Euro. Bei der GLS-Bank sind Ersparnisse in vollem Umfang geschützt – ganz ohne Kursrisiko. Philipp Eins

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