Zeitung Heute : Mit Herz, Mut und Verstand kann man alles erreichen

STAATSBALLETT BERLINIn „OZ – The Wonderful Wizard“ muss die kleine Dorothy neue Abenteuer bestehen. Die Ballettfantasie von Giorgio Madia will Groß und Klein verzaubern

SANDRA LUZINA

Vladimir Malakhov versteht es bekanntlich, sein Publikum zu verzaubern. Bei der nächsten Premiere des Staatsballetts Berlin aber werden seine Anhänger sich die Augen reiben. In der Ballettfantasie „OZ – The Wonderful Wizard“ wird Malakhov den mächtigen Zauberer verkörpern – und dabei immer wieder seine Gestalt ändern. Der kleinen Dorothy und ihren Gefährten erscheint er mal als gigantischer Kopf, mal als Feuerball, dann wieder erblicken sie eine schöne Frau oder ein gefährliches Raubtier.

Der italienische Choreograf Giorgio Madia hat 2007 für das Staatsballett eine überarbeitete Fassung von „Alice’s Wonderland“ geschaffen. Neben der kecken Alice traten da die Cheshire Cat und andere beschwänzte, behütete und bestrapste Kreaturen auf. Als er wieder nach einem Stoff für eine Familienproduktion suchte, stieß er auf den amerikanischen Kinderbuch-Klassiker „The Wizard of Oz“ von Lyman Frank Baum. Madia kannte bis dato nur die berühmte Verfilmung mit Judy Garland aus dem Jahr 1939. Als er das Buch nun las, hat es ihn gleich gepackt. Der gebürtige Mailänder hat ein Faible für das Fantastische und Surreale. Seine Inszenierungen überraschen immer wieder durch ihre verrückten Ideen. Und so darf man sich erneut auf eine Bühnen-Extravaganza freuen. Diesmal arbeitet er stark mit Video-Effekten. „Das Ballett ist technisch sehr kompliziert, und ich weiß noch nicht, wie die geplanten Effekte auf der Bühne funktionieren“, sagt er lachend. „Aber wir haben viel Spaß bei den Proben.“ Malakhov stürzt sich jedenfalls mit großer Begeisterung auf seine Rolle als Zauberer. „Es war mir wichtig, ihn einmal in einem anderen Licht zu zeigen“, erklärt Madia.

Im Mittelpunkt steht aber wieder ein vorwitziges Mädchen. Polina Semionova wird die Rolle der Dorothy bei der Premiere tanzen. „Sie hat nicht nur einen außergewöhnlichen Körper, sie ist zudem sehr intelligent. Sie erfasst sofort die Bedeutung der Bewegungen“, schwärmt Madia. Der Choreograf sieht durchaus Ähnlichkeiten zwischen der englischen Alice und der amerikanischen Dorothy. „Aber Alice ist jünger und naiver. Dorothy hat einen klaren Kopf und ist viel aktiver. Sie muss viele Hindernisse überwinden, aber sie fürchtet sich nicht. Und sie ist entschlossen, ihr Ziel zu erreichen.“

Mit Herz, Verstand und Mut kannst man alles erreichen – das lehrt die Geschichte. Madia geht es freilich weniger um moralische Botschaften. Das Wie der Erzählung fasziniert ihn, das Eintauchen in fantastische Welten. Und die skurrile Komik. Für die sorgen etwa Dorothys Freunde: die Vogelscheuche, der Blechmann und der ängstliche Löwe. Für diese Figuren Tanzschritte zu erfinden, hat Madia viel Vergnügen bereitet. „Jede Figur verlangt nach einer anderen Bewegungssprache.“ Und so mixt er munter die Stile: Ballett trifft auf Modern Dance, Akrobatik und Streetdance. Berührungsängste hat Madia nicht. Seine Stücke sind eine fantasievolle Synthese aus Tanz, Musik, Video, Kostüm- und Bühnenbild. „Mich interessiert mehr das Theater, als nur ein Ballett in vier Wänden zu machen. Das ist meine Auffassung von Choreografie.“ SANDRA LUZINA

Komische Oper: Premiere 12.3., 19 Uhr

Vorstellungen 14., 18., 23.3., 19.30 Uhr, 27.3., 20 Uhr

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