Zeitung Heute : Mit Herz und Verstand für Europa

Einars Repše, Premierminister der Republik Lettland, und Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg

Lothar de Maiziere

Einars Repše

Davon träumt man hier zu Lande nur: sieben Prozent Wirtschaftswachstum, Börsenboom, niedrige Arbeitslosenquote.

In Lettland ist eine „neue Ära“ angebrochen. Das hat derjenige geschafft, der die gleichnamige Partei gegründet und im letzten Jahr in die Regierungsverantwortung geführt hat: Einars Repše. Als Premierminister der Republik Lettland setzt er nun seine programmatischen Vorstellungen in reale Politik um: weniger Steuern, weniger Staat, weniger Bürokratie und weniger Korruption.

Der 42-jährige studierte Mathematiker gründete im Jahre 1988 mit Gleichgesinnten die lettische Unabhängigkeitsbewegung. Zuvor arbeitete er als Elektroingenieur an der Akademie der Wissenschaften. Mit 29 Jahren wurde er dann zum weltweit jüngsten Zentralbankchef berufen. Seinem Geschick und seiner Umsicht war es zu verdanken, dass mit der Einführung des lettischen Lat die Weichen für den jetzigen Wirtschaftsboom gestellt worden sind. Nun steht er wieder vor einer großen Herausforderung: Er will das Land modernisieren und von Filz befreien.

Einars Repše gilt als Pragmatiker der Macht, der seinen Prinzipien und Überzeugungen treu bleibt. Das Demokratische funktioniert seiner Meinung nur mit dem Ökonomischen. Die Freiheit und das Wohlergehen des Individuums stehen im Mittelpunkt seiner politischen Philosophie. Freiheit zu realisieren bedeutet für ihn aber auch aktiver Staat mit einer starken ordnungspolitischen Hand.

Deutschland und Lettland pflegen schon immer gute und partnerschaftliche Beziehungen. Deutschland ist Lettlands wichtigster Handelspartner. Die kulturelle Zusammenarbeit blüht. Mit der Verleihung der „quadriga“ wird diese traditionell gute Freundschaft weiter vertieft. Und wir wollen Einars Repše in einem anderen Punkt bestärken: Lettland in eine europäische Zukunft zu führen.

Jean-Claude Juncker

Von Jens Odewald

Er kennt die Arbeitswelt aus seiner Kindheit. Sein Vater war schon in der christlichen Gewerkschaft Luxemburgs aktiv und das Leben in der Stahlregion um Belvaux mit Gastarbeitern und einer starken Gewerkschaftsbewegung gingen nicht spurlos an ihm vorbei. Jean-Claude Juncker, 1954 geboren, 1980 als Rechtsanwalt zugelassen, ist seit 1974 in der Christlich-Sozialen Partei (PCS) politisch tätig. Von Pierre Werner, einem der großen europäischen Staatsmänner, bereits 1982 als Staatssekretär in die Luxemburgische Regierung berufen, wurde er 1985 Arbeitsminister. Im gleichen Jahr leitete er in der Europäischen Gemeinschaft die Beratungen der Minister für soziale- und Haushaltsfragen. Aus dieser Zeit rührt sein starkes pro-europäisches Engagement für eine friedliche Einigung des Kontinents. Als 1995 der damalige Luxemburgische Ministerpräsident Jacques Santer zum EU-Kommissionspräsidenten gewählt wurde, trat Juncker seine Nachfolge an. Er wurde damit der jüngste Regierungschef in der Europäischen Union.

Juncker hat Politik zu seinem Beruf gemacht, um „etwas für die Menschen zu bewirken“. Er hat eine europapolitische Vision: „Für meine Generation ist es am eigenen Leibe spürbar, wenn sich die Nachbarn nicht verstehen.“ Juncker wusste, was Frieden bedeutet, denn sein Vater war in die Wehrmacht gezwungen und an die Front in Russland geschickt worden. Als Vertreter eines kleinen EU-Mitgliedstaates hat Juncker sich nicht nur in seiner Zeit als Vorsitzender des EU-Ministerrats als ein Politiker erwiesen, der Brücken baut. Seine erfolgreichen Brückenschläge vollzieht er mit viel Ausdauer, hohem Verhandlungsgeschick und basierend auf viel Vertrauen, das er bei den unterschiedlichen EU-Partnern genießt. „Held von Dublin" nannte ihn 1996 die internationale Presse, weil es ihm gelungen war, in Sachen Stabilitätspakt erfolgreich zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident Jacques Chirac zu vermitteln. Dass er als Luxemburger fließend Deutsch und Französich spricht, ist durchaus hilfreich. Jean-Claude Juncker gilt zurecht als ein Politiker, der mit Herz und viel Verstand für Europa kämpft.

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