Zeitung Heute : Mit Jeans und Strumpfband

Rund ums Heiraten gibt es viele Bräuche und Traditionen. Die Feier sollte aber auch zum Brautpaar passen

Die etwas andere Kutsche. Wer es unkonventioneller mag, sollte beim Heiraten ruhig sein eigenes Ding durchziehen. Dazu gehört auch die Wahl der Gäste – und die Frage: Kirche, Standesamt oder freie Trauung? Foto: picture alliance/Bildagentur-online
Die etwas andere Kutsche. Wer es unkonventioneller mag, sollte beim Heiraten ruhig sein eigenes Ding durchziehen. Dazu gehört auch...Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Blumen, Farben, Gesten und sogar so prosaische Dinge wie eine Türschwelle: Rund ums Heiraten ranken sich unzählige Mythen, Bräuche und Traditionen. Es sind so viele, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Warum also nicht einfach beim Buchstaben „A“ wie Antrag.

„Darf frau den Heiratsantrag machen? Wie seht ihr das?“, lautet eine Frage in einem Internetforum für Frauen. Die Antworten: siebenmal „ja“, viermal „eigentlich schon, aber für mich käme das nie in Frage“ und einmal „nein“. Die schönste Antwort: „Im Nachhinein denke ich, dass ich es hätte machen sollen und nicht mein Mann. Ich hätte es schöner und romantischer hingekriegt.“ Wer sich in Hollywoodfilmen noch nicht genügend Ideen geholt hat, wird vielleicht im Internet unter www.der-besondere-heiratsantrag.de fündig.

„Alt, neu, geliehen und blau“ heißt eine dänische Filmkomödie, deren Titel auf einen besonderen Brauch anspielt: Am Tag der Hochzeit soll die Braut etwas Altes und etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen. Das Blaue soll ein Symbol für die Treue sein. Oft wird ein Strumpfband verwendet. Doch da gehen die Meinungen auseinander: „Eine Strumpfbandversteigerung, bei der der Bräutigam eventuell noch vor versammelter Mannschaft den Rock hochheben muss, finde ich extrem prollig“, empört sich jemand in einem Internetforum.

Symbolisch geht es vor allem im Zusammenhang mit der Flora zu: Für den Brautstrauß sollte man lieber keine Chrysanthemen wählen. Das würde nämlich in der Sprache der Blumen, die noch im 19. Jahrhundert viele verstanden, bedeuten: „Mein Herz ist frei“. Gelbe Rosen sind ebenfalls ungünstig, denn sie stehen für Untreue und Eifersucht. Gerbera hingegen sind perfekt. Sie bedeuten: „Durch den anderen wird alles schöner“. Orangefarbene Rosen stehen für „Glück und Hoffnung“. Efeu schließlich symbolisiert „Liebe und Treue“ und ist deshalb als Dekoration besonders gefragt.

Auch Diäten gehören zu den Hochzeitstraditionen: Viele Frauen, aber auch Männer, wollen am perfekten Tag auch eine perfekte Figur haben. Zwei Wochen vor der Hochzeit sollten die Brautleute aber schon Kleid und Anzug im Schrank hängen haben und dann nicht mehr weiter abnehmen.

Beim Überstreifen der Ringe ist jede Geste symbolisch aufgeladen: Rutscht der Ring beim Jawort nicht perfekt auf den Finger der Frau, wird sie die Hosen in der Beziehung anhaben – so lautet eine Überlieferung. Die Braut sollte sich also gut überlegen, wie schlank ihre Finger eigentlich sein sollen, wenn sie vor dem Altar steht.

Wer Pech hat, ist dort übrigens nicht nur in Gesellschaft von Menschen, die man wirklich gern hat – sondern dann sind da auch Leute wie Onkel Horst. Wie man mit unliebsamen Gästen umgeht, hat Autorin Theresa Selig in ihrem Buch „Wer Ja sagt, muss auch Onkel Horst einladen“ aufgeschrieben (Deutscher Taschenbuch Verlag, 8,95 Euro). Der ist nämlich „einer jener Gäste, deren Absage mich, sagen wir mal so, nicht allzu heftig getroffen hätte“, schreibt sie. Onkel Horst, der damit auch zu einer Art Hochzeitsmythos wird, sagte übrigens als Erster zu – einen Tag nachdem die Einladungen abgeschickt waren.

Ob wohl Prinz William auch so einen Onkel Horst hat? Und welchen Platz nimmt der dann im „Kingdom of Kitsch“ ein – wie die geplante Hochzeit des englischen Thronfolgers in diesem Jahr schon genannt wurde. Wer gerne heiraten möchte, aber Angst vor zu viel Brauchtum und Frömmigkeit hat, könnte es mit einer freien Trauung – einer Hochzeitsfeier außerhalb von Kirche oder Standesamt – versuchen, die von einem selbstständigen Hochzeitsredner geleitet wird. Das ginge sogar in Jeans und T-Shirt. Aber auch für das Jawort vor dem Altar gibt es viele unterschiedliche Varianten – irgendwo zwischen einem einfachen „Ja“ und einem aufwendig selbst verfassten und auswendig gelernten Gelübde.

Und dann kann endlich gefeiert werden. Auf einen Walzer verzichten nur die wenigsten Paare. Der ist eigentlich immer ziemlich traditionell, aber ein bisschen Auswahl gibt es schon: „Love Ain’t Here Anymore“ von Take That ist ein langsamer Walzer. Man darf nur nicht so genau auf den Text achten, denn Liebe sollte bei einer Hochzeit traditionellerweise ja schon im Spiel sein.

Wer gerade festgestellt hat, dass das der Fall ist, der findet am 19. und 20. Februar auf Schloss Diedersdorf südlich von Berlin viele Inspirationen. Dort findet an diesen Tagen die Messe „Hochzeitswelt“ statt (jeweils von 11 bis 18 Uhr, Eintritt sechs Euro, mehr im Internet unter: www.hochzeitsmesse-diedersdorf.de).

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