Zeitung Heute : Mit jedem Aldi-Rechner lassen sich alte Plattenbestände digitalisieren und auf CD packen

Kurt Sagatz

Das Alter eines Menschen kann auf verschiedenste Weise bestimmt werden. Sicherlich eine außergewöhnliche, aber nichts desto trotz funktionierende Art für eine grobe Schätzung wäre ein Blick auf dessen Musiksammlung. Ist der Kandidat weit unter 30, so wird der musikalische Bestand aller Wahrscheinlichkeit nach vorwiegend auf CDs gespeichert sein. Je länger der Musikliebhaber die 30-Jahre-Marke überschritten hat, um so mehr Vinyl-Scheiben dürften den Plattenschrank zieren - zumindest noch eine Weile, denn mit der zunehmenden Verbreitung leistungsfähiger Multimedia-Computer in den Privathaushalten lassen sich die alten Plattenschätze einfach und sogar kostengünstig in digitaler Form ins nächste Jahrtausend retten.

Leistung ist kein Thema mehr

Noch vor wenigen Jahren wäre es für Privatanwender kaum möglich gewesen, die alte analoge Musikwelt der Vinylplatten zu digitalisieren. Zum einen fehlte den meisten Computern eine Soundkarte als wichtigste Schnittstelle zwischen den beiden Welten. Zum anderen hätte die Umwandlung der Musikdaten durch die unzureichende Leistung der Standardcomputer unweigerlich zu Qualitätsverlusten geführt. Überdies konnte sich vor einigen Jahren kaum jemand einen CD-Brenner leisten, ohne den das Speichern der Musikstücke auf CD und somit das Abspielen auf einem normalen CD-Player gar nicht möglich ist.

Diese Beschränkungen sind inzwischen Vergangenheit. Jeder Medion-Rechner von Aldi hat genug Leistungsreserven, um nahezu jede Art von Multimediadaten verlustfrei aufzuzeichnen oder zu bearbeiten. Da Soundkarten überdies zu den gängigen Komponenten der meisten PC-Systeme gehören, wird somit nur noch ein CD-Brenner für ca. 400 DM benötigt, um aus dem Computer ein digitales Musikstudio zu machen.

Vor der ersten selbstgebrannten Musik-CD steht sicherlich noch die Frage nach dem Sinn des Unterfangens. Neben dem geringeren Platzbedarf der Silberscheiben spricht für die CDs sicherlich der einfachere Umgang und die geringere Anfälligkeit gegen Staub und Kratzer, während sich Schallplatten bei jedem Abspielvorgang weiter abnutzen. Beim Brennen auf CD müssen zudem nur die Stücke ins digitale Zeitalter gerettet werden, die einem wirklich gefallen.

Um die Musikstücke in den Computer zu bekommen, reicht es aus, den Rekorder-Ausgang des Verstärkers mit dem Line-In-Eingang der Soundkarte zu verbinden. Der direkte Anschluss des Plattenspielers an den Computer ist hingegen nicht möglich. Für rund 100 DM gibt es jedoch kleine Vorverstärker, die das Ausgangssignal des Plattenspielers auf den benötigten Wert erhöhen.

Die benötigten Programme für das Überspielen befinden sich zumeist schon auf dem Rechner. Das Windows-Betriebssystem steuert den Rekorder zur Aufzeichnung der Stücke bei, die meisten CD-Brenner-Programme sind in der Lage, aus den Wave-Dateien Musik-Tracks zu erzeugen. Erheblich eleganter gestaltet sich die Rettung des eigenen Musikbestandes mit Programmen wie "Der große Musik-CD Brenner" von Data Becker (69 DM). Das Programm übernimmt alle notwendigen Schritte vom Einspielen der Musik, dem Speichern und dem Brennen auf die Silberscheibe. Die Software sorgt automatisch dafür, dass die einzelnen Musikstücke als getrennte Tracks erfasst werden. Seine Stärken spielt der "CD-Brenner" bei den zahlreichen Filtern aus, mit denen das Knistern und die Kratzer von häufig abgespielten LPs reduziert werden können. Zur akustischen Aufwertung können daneben über einen 10-Band-Equalizer Nachbesserungen vorgenommen werden, um Höhen, Tiefen oder Mitteltöne stärker zu betonen. Auch Zusatzeffekte wie Hall oder Überblenden sind möglich. Als Arbeitsgerät benötigt der "CD-Brenner" mindestens einen 200-Megahertz-Rechner mit Windows 95, Soundkarte und eben einen Brenner.

Abspielgerät Computer

Das Überspielen von LPs auf CDs ist allerdings nur der Anfang, denn mit den heutigen Mitteln der Datenkompression passen auf eine CD über zehn Stunden Musik - und zwar ohne hörbare Verluste. Ob Bowie, Beatles oder Zappa - im MP3-Format passen rund 15 Langspielplatten auf eine Silberscheibe. Ein sehr komfortables Programm zum Verkleinern der Musikdaten und zum Verwalten der Archive ist das Shareware-Programm JukeBox (Vers. 4.4, www.musicmatch.com, rund 30 Dollar). Je nach Rechnerleistung liest die JukeBox die Musikstücke mit bis zu 7-facher Geschwindigkeit ein. In CD-Qualität belegt dabei ein dreiminütiges Musikstück rund 3 MB, in der Qualitätsstufe "Nahe CD" etwas mehr als die Hälfte. So wird der Computer schnell zur Musikbox á la Wurlitzer und benötigt nur noch einen Platz in Nähe der Musikanlage als zusätzliches Abspiel- und Aufnahmegerät.

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