Zeitung Heute : Mit jedem neuen Super-Prozessor werden die anderen Geräte billiger

Klaus Angermann

Die CeBIT lockt jährlich Tausende von aufgeregten Computer-Freaks nach Hannover. Auf der Suche nach Neuheiten eilen sie hektisch durch die Hallen, um nichts zu verpassen. Große bezahlbare Highlights für den privaten Konsumenten auf dem Hardware-Gebiet waren dieses Jahr rar, der Markt bot hauptsächlich Verbesserungen und Performance-Steigerungen an. Dennoch kann auch der Endverbraucher Nutzen aus dem harten Leistungskampf beispielsweise im Prozessor-Sektor ziehen.

Während die einen ungeduldig warten, bis die Neuerungen in die Läden kommen, reiben sich Schnäppchenjäger die Hände, denn Geschwindigkeitsrekorde machen die Stars von gestern oft billiger. "Die Prozessorpreise bestimmen heute stark den Kaufpreis eines PCs", berichtet Vobis-Sprecher Arno Neunkirchen. "Nach Computer-Messen kann das gewünschte Rechnersystem im Preis günstiger sein als vor der Messe - aber eben nur, wenn die Hersteller auch die Preise gesenkt haben", so Neunkirchen. Die Einführung einer neuen Prozessorreihe muss aber nicht heißen, dass die "alten" Chips viel schlechter sind als die neuen.

Generell gilt für den Anwender zu Hause: In Bezug auf Performance muss es nicht immer die aktuellste Geschwindigkeitsklasse sein. Abwarten kann eine Menge Geld sparen, denn zum Surfen oder für ein aktuelles 3D-Spiel reichen derzeit erhältliche Systeme allemal aus. So haben zum Beispiel seit Februar beim Chip-Hersteller AMD die Athlon-Modelle ab 600 MHz den Vorgänger K-6-III abgelöst. Wer noch ein Komplett-System mit einem solchen "alten" Prozessor findet, kann gutes Geld sparen, weil Computer-Händler vor Einführung der Novitäten natürlich Restbestände verkaufen möchten, und das zuweilen zu Dumping-Preisen.

Wie schaut nun ein sinnvolles State-of-the-Art-Gerät für den Consumer aus? Heutzutage werden im 2000-Mark-Segment kaum noch Rechner mit einem Prozessor unter 450 MHz angeboten. Hauptspeicher sind zwischen 64 und 128 MegaByte zu haben. So ausgerüstet ist der Computer absolut Office-tauglich (also für Tabellenkalkulation oder Textverarbeitung) und auch speicherintensive Anwendungen wie beispielsweise Spracherkennung oder Grafikbearbeitung bringen wenige Probleme.

Zu viel Speicher gibt es nicht

Festplattenkapazitäten unter 10 GigaByte sind kaum noch zu finden, aber Platz (wie auch Hauptspeicher) kann man bekanntlich ja nie genug haben. Besonders, wenn man am Heim-PC das Urlaubsvideo bearbeiten will. Viele wollen auch nicht mehr auf den CD-Brenner im System verzichten, um Daten, Musik-CDs oder eingescannte Fotos dauerhaft zu speichern. Neu ist die optionale Bestückung mit DVD-Laufwerken, die sich langsam durchsetzen. Ein neuer PC sollte ebenfalls über einen so genannten USB-Anschluss verfügen. Über diese Schnittstelle lassen sich mehrere Geräte wie Scanner oder Digitalkameras einfach anschließen.

Das CeBIT-Hauptthema war in diesem Jahr das Internet. In heute gängigen Komplettsystemen ist der Zukauf eines Modems beziehungsweise einer ISDN-Karte die Regel, da kaum einer auf den Zugang zum World Wide Web verzichten möchte. Dabei ist ein Wettrennen um den schnellsten Prozessor unerheblich, denn ein Athlon mit 800 Megahertz (MHz) surft auch nicht zwangsläufig schneller als ein Pentium III mit 450 MHz, kostet aber wesentlich mehr.

Wichtiger bei privaten Neurechnern ist hingegen meist die Spielfähigkeit. Wer ausschließlich spielen möchte, sollte allerdings von vornherein einen stärkeren Prozessor einplanen. Auch flotte 3D-Grafikkarten haben sich bei Billigrechnern durchgesetzt. Mit einer solchen Grafikkarte ab mittlerweile sogar 16 MegaByte Videospeicher plus Soundkarte ist das neueste Lara Croft-Adventure kein Thema.

Microsoft hat mit einem gigantischen Werbeaufwand Windows 2000 eingeführt. Schon werden damit die ersten Komplettsysteme ausgeliefert. Private User müssen solche Rechner aber nur bedingt ins Auge fassen, da Windows 2000 wie sein Vorgänger NT als Business-System nur rudimentär auf Spielqualitäten ausgelegt ist. Wer einen Rechner für multimediale Anwendungen wie die Surferei oder das Spielen benötigt, sollte bei Windows 98 bleiben oder auf den Millennium-Nachfolger setzen.

Gerade im hart umkämpften Consumer-Bereich müssen die Anbieter von Komplettsystemen mit immer spitzerem Bleistift kalkulieren. Die Konkurrenzsituation ist angespannt, seit Lebensmittelketten wie Aldi oder Lidl in den PC-Markt eingestiegen sind, sogar Tankstellen mausern sich zum PC-Shop. "Der Endkunde schaut nach wie vor aufs Geld", verrät Comtech-Sprecher Stefan Schanz, "Der Preis ist in erster Linie ausschlaggebend für den Kauf eines PCs." Wer jetzt einen Rechner kaufen möchte, kann also ruhig zuschlagen. Wie überall gilt: Ein Preisvergleich lohnt immer.

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