Zeitung Heute : Mit Künstlern in der Werkstatt

Der Tagesspiegel

Was ist die Philosophie des künftigen Studienganges „Kulturjournalismus“ an der Universität der Künste?

LOTHAR ROMAIN: Es geht uns um eine nachhaltige Verbesserung der publizistischen Qualität. Wir bieten einen zweijährigen Master-Studiengang, Voraussetzung ist ein bereits abgeschlossenes Fachstudium. Es gibt ja bisher eine Reihe von journalistischen Ausbildungen, die den Schwerpunkt auf Politik, Wirtschaft legen. Die Kultur kommt da eher am Rande vor. Hinzu kommt, dass sich der Gesamtbegriff von Kulturjournalismus gewandelt hat, da geht es auch um gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Themen.

Wie soll sich diese Erweiterung des Kulturbegriffs in dem neuen Studiengang spiegeln?

ROMAIN: Die Universität der Künste bietet die einmalige Voraussetzung, dass ein zukünftiger Kulturjournalist hier alle Bereiche der Kunst – bis hin zu Design und Mode – gleichsam in der gemeinsamen Werkstatt von bedeutenden Künstlern und ihren Schülern kennenlernt. Und dies in Berlin, wo eine einmalige Fülle von kulturellen Einrichtungen und Medien vorhanden ist. Die Studenten können innerhalb der Universität erfahren, wie Kunst entsteht. Gleichzeitig sollen sie dieses Wissen während der Praktika in einzelnen Kulturinstitutionen überprüfen und ausprobieren. Sie absolvieren zudem Praktika in Printmedien, beim Hörfunk, beim Fernsehen oder bei Filmproduktionen, und sie hören Vorlesungen und machen Übungen bei prominenten Journalisten, die zusammen mit Tutoren und Mentoren das Studium betreuen.

Herr Hafkemeyer, dies ist der Versuch eines Studium Generale, das in der Verbindung von Reflexion und Praxis am Ende wieder zur Spezialisierung führen soll?

JÖRG HAFKEMEYER: Wir versuchen das. Wir haben uns mit Leuten aus der Praxis und mit Leuten aus der Wissenschaft zusammengesetzt. Ein Ansatzpunkt ist dieser: Die jungen Leute, die in den Journalismus gehen, lernen künftige Künstler kennen und umgekehrt. Und wir bilden trotz eines Schwerpunktes Kulturkritik keine reinen Rezensenten aus, sondern Leute, die sich im Kulturjournalismus redaktionell bewegen können, die Organisationsabläufe kennenlernen und das Know-how der Macher: ob das ein Produktionsetat ist oder das Redaktionsmanagement. Es soll eine breite Ausbildung sein, verbunden mit Praktika in den verschiedenen Medien, wobei die Studenten von Mentoren und Tutoren betreut werden. Zweitens existiert die Verzahnung mit der Wissenschaft, und schließlich holen wir uns Journalisten als Lehrbeauftragte, vom Architektur- und Musikkritiker bis zum Feuilletonchef, die die Studenten mit den Ansprüchen der Praxis konfrontieren. Außerdem gibt es eine enge Kooperation beispielsweise mit dem Uniradio – die Studenten werden dort senden, mit dem SFB. Im übrigen qualifizieren die Praktika in Museen, Opernhäusern oder Theatern auch zur späteren Arbeit innerhalb dieser Institutionen.

Das heißt, dass die Absolventen am Ende, statt in den Medien zu arbeiten, auch die Öffentlichkeitsarbeit von Kulturinstitutionen übernehmen könnten?

ROMAIN: Natürlich. Es gilt das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Im zweiten Jahr des Studiums werden die Studierenden die Möglichkeit haben, sich fachlich zu qualifizieren und einen Schwerpunkt zu setzen, sei es Musik- oder Theaterkritik, sei es Fernsehmagazinjournalismus oder Öffentlichkeitsarbeit für Kunstausstellungen. Sie bekommen neben der journalistischen Ausbildung, was die mediale Seite betrifft, einen Fachmentor an die Seite gestellt. Die Absolventen sollen beides können: in der Zeitung oder in einem Sender verantwortlich arbeiten und in einem Spezialfach besonders qualifiziert sein.

5200 Euro Studiengebühren im Jahr sind nicht unerheblich. Gibt es Möglichkeiten, dieses Zweitstudium finanziert zu bekommen?

ROMAIN: Diese Frage wird häufig gestellt. Eine über das erste, berufsqualifizierende Studium hinausgehende Ausbildung kann die Allgemeinheit nicht mehr leisten. Das muss man selbst investieren. In allen nichtstaatlichen Institutionen bezahlen die Leute sehr viel mehr Geld für ihre Weiterbildung, und sie bezahlen es freiwillig. „Life long learning“ einerseits und zusätzliche Qualifikation andererseits bieten völlig andere Möglichkeiten, später im Beruf unterzukommen. Doch werden wir uns bemühen, kein Studium nur für Reiche zu machen. Nicht wer am meisten bezahlt, wird aufgenommen, sondern wer am qualifiziertesten ist. Ein kleiner Teil der Studienplätze wird als Stipendien vergeben werden. Wir werden uns außerdem bemühen, von Banken Sonderkonditionen für Studenten-Darlehen zu bekommen.

HAFKEMEYER: Durch die Zusammenarbeit mit Repräsentanten aus den Medien und Institutionen, durch die Praktika in Redaktionen, Sendern, Theatern, Museen, auch durch die Hospitanzen innerhalb der Universität, bei denen sie viele Künstler kennenlernen, entsteht für die Studenten ein ziemlich ideales Netzwerk. Diese Kontakte sind neben dem eigenen Können ein Sprungbrett.

Ersetzt das Studium auch ein Volontariat?

ROMAIN: Ja, denn es wäre unsinnig, außerdem noch ein Volontariat zu machen. Zwei Drittel des Lehrköpers sind qualifizierte Journalisten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Was sollen die denn nacher noch mal ausbilden? Es sind alle Elemente, die in einem Volontariat eine Rolle spielen, hier auch gegeben, nur dass dieses Volontariat nicht auf eine Institution konzentriert ist, sondern breiter gefächert.

Gibt es auch den praktischen Bedarf für 25 hochqualifziert ausgebildete Kulturjournalisten pro Jahr?

ROMAIN: Auf jeden Fall. Es kamen laufend Anfragen an uns und an andere Kunsthochschulen: Was macht ihr eigentlich für die Kritikerausbildung? Der Studiengang ist ja auch von Fachkollegen und renommierten Kulturjournalisten mit Blick auf die Praxis entwickelt worden. Wir wollen in diesem Studiengang ganz sicher nicht künftige Arbeitslose ausbilden, sondern im Gegenteil gesuchte Spitzenkräfte.

Das Gespräch führte Gabriele Blome.

Master-Studiengang: An Berlins Universität der Künste werden künftig Kulturjournalisten ausgebildet

Der neue Masterstudiengang Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin beginnt im Jahr 2003 und richtet sich an Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen. Die zweijährige Weiterbildung gliedert sich in die fünf Module: Kulturkritik und Kulturjournalismus, Kreative Text- und Medienproduktion, drei Praktika bei Sendern, Tageszeitungen oder Kultureinrichtungen (insgesamt 20 Wochen), Hospitanzen in künstlerischen Fachbereichen der Universität und Wahlfächern.

Pro Studienjahrgang werden 25 Studenten zugelassen, die ganzjährig und antizyklisch lernen, d.h. in der vorlesungsfreien Zeit finden die Seminare statt. Für die Weiterbildung werden Studiengebühren in Höhe von insgesamt 10 400 Euro erhoben. Bewerbungsschluss für den Start im Januar 2003 ist der 31. April.

Ein Zulassungsantrag findet sich auf den Internetseiten der UdK ( http://www.udk-berlin.de/wb/journalismus/ ) oder wird bei Zusenden eines frankierten DIN A4 Umschlags zugeschickt: Universität der Künste Berlin, Allgemeine Studienberatung, Postfach 120544, D-10595 Berlin. Dem Zulassungsantrag sind vier Arbeitsproben beizufügen, die nicht veröffentlicht sein müssen. Um die Eignung der Bewerber zu ermitteln, wird im Mai eine schriftliche Hausarbeit gestellt, an die sich im Juli eine Aufnahmeprüfung anschließt. gb

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