Zeitung Heute : Mit Laib und Seele

Urban Media GmbH

Von Annekatrin Looss

Prenzlauer Berg. Die Lichtskulptur sieht aus wie ein Baustein. Ein riesiger weißer Quader steht auf dem Turm der Backfabrik in Prenzlauer Berg. Am Dienstag Abend soll er von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zum Leuchten gebracht werden: nach rund 15 Monaten Bauzeit wird die sanierte Backfabrik eröffnet. Fortan wird der Baustein ein neuer Orientierungspunkt im Berliner Stadtgefüge sein, glaubt Hargen M. Bartels, Geschäftsführer der Firma Real Estate Merger & Management, die das Gebäude für rund 61 Millionen Euro sanierte.

Im Februar 2000 kaufte Bartels das Gelände an der Prenzlauer Allee aus der Konkursmasse des Unternehmers Horst Schiesser. Der Standort zwischen Alexander- und Kollwitzplatz schien ihm optimal für die damals boomende IT-Szene Berlins. Bartels muss es wissen. Die Backfabrik ist schließlich seine 27. Baustelle im Bezirk Prenzlauer Berg. Während er zuvor Miets- und Geschä ftshäuser sanierte, reizte ihn bei der Backfabrik die Chance, ein einmaliges städtebauliches Ensemble entstehen zu lassen. Einen Platz zum Leben und Arbeiten, wollte er auf dem traditionsreichen Gelände schaffen, von dem aus die Fast-Food- Könige August und Karl Aschinger vor dem zweiten Weltkrieg ihre legendäre Erbsensuppe mit Brot nach ganz Berlin lieferten, später wartete die Fahrbereitschaft des DDR-Ministerrat nebenan ihre Fahrzeuge.

Bereits im Juni 2001 nahmen die ersten Firmen ihre Arbeit auf. Zu Beginn des Jahres 2001 noch überstiegen die Nachfragen nach Office-Lofts die Kapazität von 24000 Quadratmetern, verteilt auf sieben Etagen. Dann riss eine Pleitewelle viele Firmen der New Economy in den Abgrund. Die Nachfrage nach Flächen sank rapide. 80 Prozent der damals interessierten Firmen gibt es heute nicht mehr. Doch Bartels sieht es positiv. „Wir haben die Gnade der späten Geburt“, sagt er. Wäre man ein Jahr frü her fertig geworden, wäre das Haus jetzt voll mit Firmen, die schlecht laufen. Die jetzt interessierten Firmen rechneten dagegen mit realistischen Erwartungswerten. Einer seiner Mieter hätte vor einem Jahr noch 1000 Quadratmeter genommen und somit inzwischen Verluste gemacht, jetzt hat er 250 Quadratmeter und kann seine Miete bezahlen. Auch von die Tücken des Gebäudes ließ sich Bartels nicht entmutigen. Verdeckte, im Plan nicht eingezeichnete Stützen tauchten auf, Trennwände erwiesen sich als tragend. Kurz: die statischen Berechnungen wurden Makulatur. Auch der Stromkreislauf habe sich als Abenteuer entpuppt, erinnert sich Bartels. Jeden zweiten Tag habe es irgendwo geblitzt und gedonnert.

Inzwischen entdecken auch traditionelle Firmen die Backfabrik für sich. Zur Zeit verhandelt Bartels mit einem Verlagshaus, auch Designer und Werbeagenturen sind eingezogen. 34 Prozent der Fläche sind bereits vermietet, zu den eingezogenen Mietern zä hlen die Berliner Dependance der Media-Agentur Carat, die Werbeagentur „familie redlich“ und die Firma Gist, ein führender Entwickler von innovativen Applikationen und Lösungen für interaktives Fernsehen. In spätestens drei Jahren will Bartels den Berliner Durchschnitt von 92 Prozent erreicht haben. „Wir konkurrieren nicht über die Mietpreise sondern über Leistung“, sagt Bartels. Die Büro-Lofts sind mit einer Deckenhöhe von rund vier Metern ungewöhnlich großzügig. Rund 60 Kilometer Glasfaser- und Kupferkabel ziehen sich durch die Wände bis an jeden Arbeitsplatz. Alles was die Firmen hier noch zu tun hätten, sei loszulegen, sagt Bartels. Die Backfabrik liefert dazu hauseigenen Strom zu besten Konditionen. Und rund 300 Tiefgaragenplätze ersparen den vielbeschäftigten Kreativen die Parkplatzsuche. Die Miete liegt je nach Lage zwischen 14 und 16 Euro pro Quadratmeter. Nach dem Motto „Come home to work“ soll in der Backfabrik jedoch nicht nur gearbeitet, sondern auch entspannt werden. Davon zeugt die auf dem Hof geplante 22 Meter lange Boccia-Bahn ebenso wie eine Dachterrasse mit Blick über die Szenebezirke Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Außerdem wird ein eigens eingestellter Eventmanager die Party- und Veranstaltungsfläche im Untergeschoss zielgruppenorientiert mit Leben füllen. Jazzkonzerte kann sich Bartels dort ebenso vorstellen wie Tangoabende, Kongresse oder Lesungen. „Ich will nicht einfach bloß eine sanierte Fabrik vermieten, sondern eine Gemeinschaft errichten“, sagt Bartels. Dafür hat er sich die nächsten drei Jahre freigehalten.

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