Zeitung Heute : Mit Lernpaten zu besseren Ergebnissen in der Schule

Der Tagesspiegel

Alle reden über die Pisa-Studie, aber konkrete Schlussfolgerungen für das deutsche Bildungssystem stehen noch aus: „Die Kultusminister müssen ihre Verantwortung endlich ernst nehmen und ein Gesamtkonzept für Deutschland erarbeiten“, forderte Wolfgang Gärthe, Geschäftsführer der Euro-Schulen. Unter dem Dach dieser Organisation sind bundesweit mehr als 100 private Bildungsträger für die berufliche Erstausbildung und die Weiterbildung vereinigt. „Es kann nicht sein, dass auch dieses Mal nichts passiert. Die Timms-Studie aus dem Jahr 1998 hat viele Defizite bereits gezeigt, aber die Schlussfolgerungen sind in den politischen Debatten versandet.“

Auf einem Treffen der Euro-Schulen in Berlin stellte Gärthe einen ganzen Katalog von Maßnahmen vor, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Schulen und Ausbildungsstätten zu verbessern. Der in den einzelnen Bundesländern völlig unterschiedliche Werdegang vom Kindergarten bis zum Gymnasium müsse in wesentlichen Punkten vereinheitlicht und gestrafft werden. Der Bildungsmanager schlug außerdem vor, über die Grenzen der Bundesländer hinweg ein einheitliches Abitur von zwölf Jahren, Mindestinhalte für den Unterricht und einheitliche Prüfungen einzuführen. „Sonst sind die Kinder und Jugendlichen nicht wirklich mobil. Wenn heute eine junge Familie von Schleswig-Holstein nach Bayern zieht, gehören die Kinder garantiert zu den Verlierern.“

Den Schwerpunkt möglicher Maßnahmen sieht Wolfgang Gärthe jedoch in der täglichen Arbeit der Erzieher und Ausbilder vor Ort. „Wir brauchen vor allem im pädagogischen Alltag viel mehr Kommunikation zwischen den Lehrern, den Ausbildern, den Eltern, den kommunalen Trägern, den Bezirksämtern und den Firmen“, nannte er ein Beispiel. „Sozialarbeiter müssen die Kinder und Jugendlichen während ihrer gesamten Ausbildung begleiten. Wir brauchen eine individuelle Betreuung der Heranwachsenden, die ihre ganze Persönlichkeit in den Vordergrund rückt.“ Er zitierte eine Umfrage, wonach sich junge Leute einen Berufsberater für jede Schule wünschen. „Ein einziger Ansprechpartner im Arbeitsamt ist viel zu wenig“, resümierte er.

Als positives Beispiel nannte Wolfgang Gärthe ein Modellprojekt in Wolfen bei Bitterfeld. Dort setzten sich die Verantwortlichen aus der Kommune, den Schulen und Ausbildungsbetrieben an einen Tisch, um sich bei der Integration von jungen Ausländern abzustimmen. In dieser Gruppe hatte die Pisa-Studie besonders gravierende Defizite festgestellt. „Wir haben das Konzept ehrenamtlicher Paten umgesetzt, die sowohl zugewanderte Jugendliche als auch Erwachsene betreuen“, berichtete Gärthe. „In Wolfen helfen sich deutsche und ausländische Schüler bei den Hausaufgaben. Bürger unterstützen zugewanderte Familien beim Gang zum Amt, bei juristischen Schwierigkeiten oder sie gehen gemeinsam zum Sport.“ Wolfen liegt nördlich von Leipzig, im ehemaligen Chemiedreieck der DDR. Dort ist die Arbeitslosigkeit heute besonders groß. „Durch die Integrationspaten ist es gelungen, dass die ausländischen Zuwanderer schneller deutsch lernen und sich getrauen, auf die Menschen zuzugehen“, bestätigte Jochen Welt, Aussiedlerbeauftragter der Bundesregierung. „Die Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber Zuwanderern sind deutlich gesunken.“ Heiko Schwarzburger

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